Wenn man Michael Bayley fragt, warum die Kreuzfahrt so boomt und warum die Schiffe immer größer werden, dann gibt er eine knappe Antwort: "It's pretty good fun." Es mache den Gästen einfach ziemlich viel Spaß, sagte der Präsident der Kreuzfahrtreederei Royal Caribbean International (RCI) während der Vorführfahrt der "Symphony of the Seas" von Malaga nach Barcelona. Worum es auf dem neuen größten Kreuzfahrtschiff der Welt geht, beschreibt die Antwort ebenso treffend: Spaß für die ganze Familie.


Symphony of the Seas: 362 Meter für 6680 Passagiere
 

Die "Symphony of the Seas" ist das vierte Kreuzfahrtschiff der sogenannten Oasis-Klasse von RCI und löst nun die vor zwei Jahren in Dienst gestellte "Harmony of the Seas" als Rekordhalter auf den Meeren ab. Beide Schiffe sind 362 Meter lang, aber der Neubau hat noch einmal eine größere Bruttoraumzahl. So kann die Reederei stolz einen neuen Superlativ präsentieren. 5518 Passagiere finden bei Doppelbelegung der 2759 Kabinen Platz, maximal sind es 6680.

Die Schwesterschiffe sind weitgehend baugleich, also finden sich die größten Attraktionen der "Harmony of the Seas" auch auf dem Nachfolger. Optisch am beeindruckendsten ist Ultimate Abyss, mit knapp 46 Metern die längste Rutsche auf See. Sie führt auf Matten durch zwei Röhren über zehn Decks. Weitere Angebote sind Minigolf, Wasserrutschen, Surfsimulator, Eislaufbahn, Zipline, Kletterwände und Showbühnen wie das Aquateatre am Heck mit Akrobatik-Vorführungen. Die "Symphony of the Seas" lockt an jeder Ecke mit Zerstreuung und Entertainment - sie ist eine Art schwimmender Freizeitpark.


Riesiger "Central Park" auf Deck 8
 

Möglichst große Kreuzfahrtschiffe zu bauen, ist aus Sicht der Reedereien finanziell sinnvoll. Doch was bietet ein Schiff für mehr als 6000 Passagiere seinen Gästen, wozu ein kleineres Schiff nicht in der Lage ist? "Vielfalt", argumentiert Stuart Leven, bei RCI verantwortlich für den europäischen Markt. Dem Urlauber bieten sich schlicht mehr Optionen. Das Schiff als eigentliches Reiseziel - diese Einschätzung gilt definitiv für die "Symphony of the Seas".

Trotz der enormen Dimensionen besteht wenig Gefahr, sich an Bord zu verlaufen. Die Wege sind lang, aber prägen sich schnell ein. Das liegt auch am Central Park auf Deck 8: Die Zweiteilung des Schiffes durch den Freiluftbereich im Innern erleichtert die Orientierung. Das Außenareal mit Restaurants, Shops, Pflanzen und Vogelgezwitscher aus Lautsprechern ist eine von sieben öffentlichen Erlebniswelten.


20 Restaurants und Kneipen
 

Eine der kleinen Neuerungen auf der "Symphony of the Seas" ist im Bereich des Boardwalks zu finden. Das kulinarische Angebot ergänzen dort eine Sportsbar mit Fernsehübertragungen großer Spiele und Sugar Beach - ein Eis- und Süßigkeitenladen. Das Hooked auf Deck 16 ist ein neues Bezahlrestaurant, in dem Meeresfrüchte serviert werden. Im Reisepreis inbegriffen ist das Angebot der neuen Imbissbude El Loco Fresh Mexican unter freiem Himmel. Insgesamt hat der Urlauber wieder die Wahl zwischen gut 20 Restaurants und Bistros. Erneut dabei ist die Bionic Bar, in der Roboter auf Kundenwunsch Cocktails mixen.


Check in per Smartphone
 

Als große Neuigkeit präsentiert TCI die über zwei Decks verlaufene Ultimate Family Suite: 125 Quadratmeter Fläche, zwei Schlafzimmer für acht Personen, Legowand, Airhockey-Tisch - und eine Rutsche vom Schlaf- in den Wohnbereich. Außen gibt es hier einen Whirlpool und ein Klettergerüst. Diese Suite-Variante gibt es nur einmal an Bord.

Ganz neu bei RCI ist der Check-in per Smartphone. Über eine App lädt der Passagier ein Porträtbild hoch, zu Beginn der Reise kann er im Terminal ohne weiteres Anstehen zur Sicherheitskontrolle und danach gleich zur Kabine gehen. Über die App können die Gäste auch Reservierungen in den Restaurants vornehmen und Ausflüge buchen.


Veraltete Umwelttechnologie an Bord
 

Konventionell ist die Umwelttechnologie: Die "Symphony of the Seas" fährt hauptsächlich mit Schweröl. Die Abgase werden zwar an Bord durch Schwefelfilter behandelt. Doch erst die Schiffe der neuen Icon-Klasse sollen mit Flüssiggas (LNG) betrieben werden, das den Ausstoß klimaschädlicher Emissionen deutlich reduziert. Die zwei Neubauten sollen 2022 und 2024 ausgeliefert werden. Immerhin verbraucht die "Symphony of the Seas" laut Reederei 25 Prozent weniger als das namensgebende erste Schiff der Oasis-Klasse.

RCI ist mit dieser Baureihe nach eigener Aussage überaus zufrieden, ein fünftes Schiff wird 2021 an den Start gehen - und wieder minimal größer ausfallen als die "Symphony of the Seas". Der Trend zur Massenkreuzfahrt mit immer riesigeren Neubauten als schwimmenden Hotels und Vergnügungsparks dürfte sich also eher noch verstärken, aller Kritik zum Trotz. Schon als man 1982 die "Song of America" vorgestellt habe, hätten Leute gesagt, das Schiff sei zu groß, und niemand wolle damit fahren, erzählte Michael Bayley. Das Schiff bot damals 1650 Gästen Platz - und es kam bekanntlich anders.


Die Fahrtgebiete der "Symphony of the Seas"


Die "Symphony of the Seas" ist nach ihrer Jungfernfahrt im April zunächst auf dem Mittelmeer unterwegs. Angelaufen werden bis Oktober 2018 neben den Ein- und Ausstiegshäfen Barcelona und Civitavecchia bei Rom auch Palma de Mallorca, Marseille, Neapel und La Spezia. Im Winter fährt das Schiff nach Miami und von dort aus in die Karibik.