Es geht um Blut im Stuhl, Polypen, eine ziemlich intime Untersuchung - ein nicht gerade angenehmes Thema, möchte man meinen. Aber schützen kann sich nur, wer aufgeklärt ist: Darmkrebs ist die zweithäufigste bösartige Erkrankung in Deutschland mit knapp 63 000 Neuerkrankungen und etwa 26 000 Todesfällen im Jahr. Das müsste nicht sein: Darmkrebs ist heilbar, wenn er frühzeitig erkannt wird. Um auf die - in manchen Fällen lebensrettende - Notwendigkeit der Vorsorgeuntersuchungen aufmerksam zu machen, veranstaltet diese Zeitung ein Leser-Expertenforum: Am Dienstag, 10. April 2018, klären von 16 bis 18 Uhr an unserem Redaktionstelefon Prof. Michael Sackmann, Chefarzt am Bamberger Klinikum, und Roland Grüner, Internist und niedergelassener Gastroenterologe in Bamberg, interessierte Anrufer über Untersuchungen und Therapie auf.

So erreichen Sie unsere Experten:

Dr. Roland Grüner gibt bei unserer Telefonaktion Auskünfte über die Untersuchungsmethoden im Bereich des Magens und Darms, Stichwort Magen- und Darmspiegelung. Grüner ist am 10. April von 16 bis 18 Uhr unter der Durchwahl 0951/188-221 an unserem Redaktionstelefon zu erreichen.

Prof. Michael Sackmann informiert bei unserer Telefonaktion über Vorsorge, Früherkennung und Behandlungsmöglichkeiten von Darmkrebs. Er ist am 10. April von 16 bis 18 Uhr in unserer Redaktion unter der Durchwahl 0951/188-226 zu erreichen.


"Eine stille Krankheit"

"Darmkrebs ist eine stille Krankheit und verursacht zunächst keine Symptome", sagen die Mediziner. Deshalb seien regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen so wichtig. "Doch viel zu wenige Patienten nehmen den kostenlosen Check beim Arzt in Anspruch", wissen Sackmann und Grüner aus Erfahrung. "Wenn die ersten Symptome von Darmkrebs wie Blut im Stuhl, Leibschmerzen oder Durchfall und Verstopfung im Wechsel auftreten, ist oft schon viel Zeit vergangen, in der man die Krankheit hätte wirksam bekämpfen können."
Der Begriff Darmkrebs bezeichnet einen bösartigen Tumor im Dickdarm oder Mastdarm. Bösartige Tumoren im Dünndarm sind im Gegensatz dazu äußerst selten. Darmkrebs tritt in den verschiedenen Abschnitten des Dickdarms (Kolonkarzinom) unterschiedlich häufig auf. Mehr als die Hälfte aller Darmtumoren findet man im letzten Darmabschnitt, dem Mastdarm (Rektumkarzinom) und dem angrenzenden Sigma.


Gut erforschte Krebsart

"Darmkrebs zählt zu den am besten erforschten Krebsarten beim Menschen", betonen Sackmann und Grüner. Etwa 90 Prozent der Darmkrebserkrankungen entwickeln sich aus zunächst gutartigen Darmpolypen. Diese Entartung vom Darmpolyp (Adenom) zum Krebs (Karzinom) kann rund zehn Jahre dauern. "Wir bezeichnen dieser Entwicklung als Adenom-Karzinom-Sequenz", erklären Sackmann und Grüner. Ursache dafür sind aufeinander folgende Genveränderungen an den Schleimhautzellen der Darmwand. "Sie führen schließlich zum Verlust der natürlichen Wachstumskontrolle der Zellen, so dass diese sich als Krebszellen bösartig und zerstörerisch ausbreiten können."
Eine wichtige Aufgabe der Vorsorge sei es, die Darmpolypen rechtzeitig zu entdecken und zu entfernen, bevor sie sich zu einem Darmkrebs entwickeln können. Darmpolypen verursachen quasi keine Beschwerden und können nur mit Hilfe der Darmkrebsvorsorge aufgespürt werden. "Durch eine rechtzeitige Vorsorge lässt sich die Erkrankung zu nahezu 100 Prozent verhindern", sagen die Experten.
Bei etwa 30 Prozent der Darmkrebsfälle liegt ein familiäres Risiko zu Grunde, weil in der Familie bereits Fälle von Darmkrebs oder Darmpolypen bekannt sind. Damit erhöht sich das Risiko für andere Familienmitglieder, insbesondere für Verwandte ersten Grades wie Großeltern, Eltern und Kinder, selbst an Darmkrebs zu erkranken - auch in jungen Jahren. Es bedeutet aber nicht, dass Verwandte zwangsläufig an Darmkrebs erkranken werden.
Außer familiärer Vorbelastung, Blut im Stuhl oder bereits entfernten Polypen gibt es weitere Risikofaktoren: Fehlende Bewegung, Übergewicht und Alkohol. "Auch eine ungesunde Ernährung mit viel rotem Fleisch, Fett und Zucker, wenig Obst, Gemüse oder Vollkornprodukten ist ungünstig", warnen Sackmann und Grüner.


Gesetzliche Leistungen

Mit dem Alter steigt das statistische Risiko für Darmkrebs, die meisten Erkrankungen kommen bei Menschen ab 50 bis 60 Jahren vor. Deshalb gibt es folgende gesetzliche Vorsorgeleistungen: Ab 50 Jahren die jährliche Durchführung eines Stuhltests (Hausarzt) und ab 55 Jahren eine Darmspiegelung (Gestroenterologe). Sie muss bei negativem Befund in der Regel erst nach zehn Jahren wiederholt werden.


Standard- und Spezialmethoden

Je früher Darmpolypen und Darmkrebs entdeckt werden, desto größer sind die Heilungschancen. Genauso wichtig ist es, einen einmal entdeckten Tumor genau abzuklären. "Um Darmkrebs sowie etwaige Metastasen zielgenau und mit den passenden Mitteln zu behandeln, ist ein exaktes Bild der Erkrankung wichtig", erklären die Experten. Neben den Standardmethoden zur Vorsorge wie Stuhluntersuchung, Bluttest und Darmspiegelung stehen Ultraschall, Röntgen und moderne Hightech-Diagnoseverfahren wie Computer- und Magnetresonanztomographie, Positronen-Emissions-Tomographie und die virtuelle Koloskopie zur Verfügung. Detaillierte Informationen über die Vorsorge, die Untersuchungen und Therapien bekommen interessierte Leser am 10. April. Bei unserer Telefonaktion werden auch Betroffene und Angehörige beraten.