Eine Original-Anzeige aus der Zeit des Nationalsozialismus im Amtsblatt von Hildburghausen schlägt weiter Wellen. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) bezeichnete die Veröffentlichung auf seiner Internetseite als "einfach unerträglich". Die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus in Thüringen (Mobit) sprach am Montag von einem "Skandal".

Obst solle "persönliche Verantwortung übernehmen"

Der Hildburghäuser Bürgermeister Holger Obst (CDU) sei gehalten, "für diese Unglaublichkeit letztlich auch die persönliche Verantwortung zu übernehmen", erklärte der Mobit-Vorstandsvorsitzende Sandro Witt. Kritik kam auch von Innenminister Georg Maier (SPD), der eine Prüfung durch die Kommunalaufsicht ankündigte.

Ausgerechnet Hildburghausen

Im Kreis Hildburghausen veranstalten Rechtsextreme immer wieder Rechtsrock-Konzerte mit teils mehreren Tausend Besuchern. Bei den Landratswahlen im vergangenen Jahr hatte ein rechtsextremer Bewerber 16,6 Prozent der Stimmen erhalten. Obst sagte der Deutschen Presse-Agentur am Montag, er habe "in keiner Weise" Rechtsradikalen in die Hände spielen wollen.

"Im Gegenteil: Wir sind Demokraten und ich kann mich nur entschuldigen." Rücktrittsforderungen, wie von SPD, Linke und Grünen gefordert, halte er für überzogen. Auf der Homepage veröffentlichte er inzwischen eine offizielle Entschuldigung. "Es liegt mir fern, die nationalsozialistische Gewaltherrschaft in irgendeiner Weise zu verharmlosen oder zu relativieren", heißt es darin.

Eine PDF-Datei des Amtsblatts stand am Montagvormittag zunächst noch unverändert auf der städtischen Internetseite und war auch über das Thüringer Verwaltungsportal erreichbar. Am Mittag wurde es gelöscht.

"Ein Wort des Führers"

Die Anzeige kündigt eine Trauerfeier für die Opfer eines alliierten Luftangriffs vom 23. Februar 1945 auf Hildburghausen an. Im abgebildeten Ablaufplan ist von einem "Terrorangriff" die Rede und wird "Ein Wort des Führers" angekündigt. Über der Anzeige erinnert der Bürgermeister in einem kurzen Text an die Luftangriffe - ohne auf die NS-Anzeige einzugehen.

Die unkommentierte Veröffentlichung hatte am Wochenende für Proteste von Die Linke, SPD, Grünen und evangelischer Kirche gesorgt. Die Grüne-Landtagsabgeordnete Madeleine Henfling forderte Obst am Montag zum Rücktritt auf. Die Thüringer CDU sprach von einem "schweren Fehler". In Papierform war das Amtsblatt am Wochenende an alle Haushalte der 12 000 Einwohner zählenden Stadt verteilt worden.