Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) überlegt, einen künftigen Heimatminister nach Franken zu versetzen. "Wenn man einen neuen Minister bestellt, könnte ich mir vorstellen, dass man sagt, der könnte seinen Sitz in Nordbayern haben", sagte Seehofer am Freitag dem Radiosender Antenne Bayern. An diesem Sonntag wird in Bayreuth der jährliche "Tag der Franken" gefeiert.

Seehofer führt Gespräche mit der Wirtschaft, um mehr Arbeitsplätze in den Norden des Freistaats zu bringen. Dazu könnten auch Behörden und Teile von Ministerien dorthin verlagert werden, sagte er dem Sender. Im Frühjahr 2014 will er ein Gesamtkonzept vorlegen.

Die Opposition spottete: "Seit Oktober 2008 ist er im Amt, und im Juli 2013 kommt er zwei Monate vor der Wahl mit so einer Idee", sagte SPD-Fraktionsvize Inge Aures, früher Oberbürgermeisterin im oberfränkischen Kulmbach. "Wie lang ist denn die Halbwertszeit von so einem Frankenminister? Das ist ein Witz."

Freie Wähler-Chef Hubert Aiwanger vermutete: "Seehofer hat wohl schlechte Kirschen gegessen." Der Niederbayer gab zu bedenken, dass ein Frankenminister weitab vom Puls der Münchner Landespolitik wohl nicht viel zu melden hätte: "Wie soll denn ein Heimatminister, der in Franken sitzt, die Münchner Bürokratie auf Trab bringen?"

"Jeden Tag eine spinnerte Idee - das scheint das Motto des Ministerpräsidenten zu sein", kommentierte die parlamentarische Geschäftsführerin der Landtagsgrünen und fränkische Abgeordnete, Ulrike Gote. "Wir sind gespannt, was Horst Seehofer als nächstes aus der Wundertüte zieht. Wie wäre es mit der Gründung einer "Bavarian-Air" zur besseren Auslastung des Nürnberger Flughafens?"

Seit der Gründung des Königreichs Bayern im Jahr 1806 hatte noch nie ein Ministerium einen dauerhaften Amtssitz in Franken. In den bürgerkriegsähnlichen Wirren nach dem Ersten Weltkrieg waren Staatsregierung und Landtag vorübergehend nach Bamberg geflohen, weil es dort ruhiger zuging als in München. Dort wurde auch die erste republikanische Verfassung Bayerns beschlossen - die Bamberger Verfassung. Nachdem sich die Lage in der Landeshauptstadt beruhigt hatte, zogen die Politiker aber sofort wieder an die Isar.

Seehofer sagte, der neue Heimatminister solle sich als Querschnittsaufgabe um die Entwicklung der bayerischen Regionen kümmern - "dass beispielsweise in Coburg und der Umgebung die Dinge so gestaltet werden, dass die Menschen dort bleiben", erläuterte der Ministerpräsident.

Aures beklagte, auf Sonntagsreden seien in Franken bisher nicht viele Taten gefolgt: "Die kommen immer zu uns, schauen, ob wir noch alle da sind, und dann sind sie wieder fort."