Jonas Stegner bearbeitet die Scheibe auf dem Plattenspieler rhythmisch hin und her, bis mit Hilfe des Computers völlig neue Klänge entstehen. «Handgemachte elektronische Musik» nennt der 28-Jährige aus Pirmasens, der sich selbst als Künstler sieht, seine Tätigkeit.

Mit dem «Scratchen» (Kratzen) ergänzt Stegner am Dienstag auf der Frankfurter Musikmesse kreativ die von der Platte erzeugte Musik.

«Turntablism» nennt sich auf Neudeutsch diese Art der Fingerfertigkeit, die in der Szene derzeit angesagt ist. Erstmals ist damit das «Sample Music Festival», das sich einmal im Jahr in Berlin trifft, auf der Messe vertreten.

Deren Organisatoren haben sich nach Jahren des Besucherschwunds infolge der digitalen Revolution daran gemacht, Europas immer noch größten Branchentreff für Musikinstrumente und Zubehör neu zu erfinden. Für die wachsende DIY-(«Do-it-Yourself»)-Szene, bei der Musik elektronisch über den Rechner produziert und vom Künstler gleich vermarktet wird, gibt es einen Sonderbereich.

Nicht nur die Rolle des Musikers hat sich heute verändert - auch das Kaufverhalten der Kunden. Im Internet tobt ein gnadenloser Preiskampf, der den Musik-Fachhandel immer stärker unter Druck setzt. Scorpions-Gitarrist Matthias Jabs, der in München selbst einen Laden hat, findet das nicht gut. «Wenn ich eine neue Gitarre kaufe, will ich schon zuerst darauf selbst gespielt haben», sagt der 63 Jahre alte Hardrocker.

Jabs ist da ganz «Old School», wie er sagt. Er findet es auch nicht gut, wenn Musik nur noch um des Produzierens willen gemacht wird. «Musik muss was aussagen.» Auf der Messe zeigt er in der «World of Vintage Guitars» Stücke aus der eigenen Kollektion, darunter eine Les Paul. Die vom US-Hersteller Gibson hergestellte legendäre E-Gitarre hat einen eigenen Showroom erhalten.

Wo künftig die Entwicklung bei den Saiteninstrumenten hingehen könnte, zeigt das französische Startup-Unternehmen 3DVarius. Vor drei Jahren hat die Firma aus Toulouse erstmals Geigen mit Hilfe der 3D-Druck-Technologie hergestellt. Inzwischen verkaufen sich die Instrumente - aus Holz oder aus Epoxidharz - auch in den USA. Dank ausgeklügelter Mikrofone und WLAN können damit alle Formen von Violin-Klängen erzeugt werden. Zwischen etwa 1000 und 7000 Euro kosten die Instrumente, sagt der junge Firmengründer Laurent Bernadac, der selbst Geiger ist.

Doch ob alt oder neu: Die noch bis Samstag (6.4.) andauernde Messe, die sich mit rund 1600 Ausstellern aus 56 Ländern auf etwa dem Niveau des Vorjahres bewegt, will mehr Lust auf Musik und das Musizieren machen. Der Bereich der Musikpädagogik wurde gestärkt. An einem «Fachtag» geht es um Methoden, wie Musikunterricht spannend gemacht werden kann. Außerdem gibt es mehrere hundert Workshops und Konzerte auch außerhalb der Messe - vom Rap über Jazz zur Klassik.

Junge Menschen müssen heute zeitgemäß für Musik begeistert werden, wie auch der Musikverlag Voggenreiter weiß. Das traditionsreiche Unternehmen, das dieses Jahr 100 Jahre alt wird, hat neue Apps für Kinder entwickelt. Mit Hilfe von animierten Spielen und Geschichten können Heranwachsende auf dem Smartphone oder dem Computer ein Instrument lernen - zum Beispiel die gute alte Blockflöte. Wer dann vor dem Computer spielend die richtigen Töne trifft, wird von der App mit einem Punktesystem hochbelohnt.