Vergessen oder ausdiskutieren? Vergeben oder Rache nehmen? Wie geht ein Paar mit dem Trauma einer Vergewaltigung um - und was, wenn sich plötzlich die Möglichkeit der Vergeltung auftut?

Sven Taddickens Beziehungsdrama «Das schönste Paar» geht das schwierige Thema sensibel und trotzdem mit viel Offenheit und Nachdruck an. Der Film des deutschen Regisseurs hat beim 43. Toronto International Film Festival (TIFF) vor begeistertem Publikum Weltpremiere gefeiert.

Der am Montagabend (Ortszeit) gezeigte Film erzählt die Geschichte des jungen Lehrerpaars Malte (Maximilian Brückner) und Liv (Luise Heyer), das beim Urlaub auf Mallorca in seinem Ferienhaus von drei Jugendlichen überfallen wird. Liv wird vergewaltigt, die Jugendlichen entkommen. Zwei Jahre später hat sich das Paar mit viel Kraft seinen Alltag zurückerkämpft, bis Malte zufällig einem der Täter (Leonard Kunz) begegnet und ihm folgt. Malte will Vergeltung, Liv will das Trauma nicht erneut durchleben. Die Möglichkeit zur Rache wird zur Zerreißrobe für die Beziehung.

«Ich wollte vor allem ergründen, wie unterschiedlich ein Paar mit einem solchen Trauma umgeht - jeder für sich, aber auch gemeinsam», sagte Taddicken nach der Premiere in Toronto. «Vergewaltigung ist ein schwieriges Thema, über das ungern geredet wird. Und doch muss gerade deshalb darüber gesprochen werden», so der Regisseur. Dabei wolle er mit seinem Film kein Richtig oder Falsch präsentieren, sondern vor allem die Vielfalt an Emotionen zeigen, die durch solche lebensverändernden Ereignisse explosionsartig an die Oberfläche kommen könnten.

«Wut, Hilflosigkeit, Verzweiflung - Malte und Liv tragen das beide in sich. Für ihn ist der Gedanke der möglichen Rache aber wie ein Ventil», sagte Brückner, der nach der Premiere mit Beifall auf der Bühne begrüßt wurde, während Kunz zunächst Buh-Rufe zu hören bekam. «Das freut mich», sagte der 26-Jährige, «das heißt, dass Sascha überzeugend unsympathisch rüber kam.» Wann «Das schönste Paar» in deutschen Kinos anlaufen wird, steht bisher noch nicht fest.

Bis zum 16. September werden in der kanadischen Metropole 342 Filme gezeigt, darunter 29 deutsche Filme und Koproduktionen. Beim diesjährigen Festival warten über 138 Weltpremieren auf das Publikum, das beim TIFF anstatt einer Jury die Gewinner wählt.