Heute schon auf dem Tisch gestanden? Nein? Dann wird's Zeit. Schuhe aus und rauf! Schließlich ging vor zehn Monaten die Nachricht vom Tod des amerikanischen Schauspielers Robin Williams um die Welt. Er hatte seinen offenbar übermächtig gewordenen Problemen und seinem Leben ein Ende gesetzt.

Millionen Menschen waren an diesem 12. August 2014 plötzlich Mitglieder im "Club der toten Dichter". Da wurde - in Anlehnung an die Schlüsselszene in Willliams' wohl bekanntestem Film - auf Tische gestiegen und betrübt bekundet, wie sehr der Konsum dieser Geschichte vom Lehrer, der seine Schüler dazu bringt, die Perspektive zu wechseln, prägend für das eigene Weltbild gewesen sei. Was sonst.

Und das wichtigste war, dies fotografisch zu dokumentieren und mit #ohcaptainmycaptain getagged in sozialen Netzwerken unters Volk zu bringen.

Sogar Carmen Miosga wurde gefeiert, weil sie zum Ende der "Tagesthemen" den Studiotisch erklomm. Für Konformismus gab's Applaus. Anscheinend hatte mancher die Story doch nicht ganz verstanden.

Die Perspektive wechseln. Alles von einer anderen Warte aus sehen und den Mut haben, damit anzuecken. Autoritäten die Stirn bieten. Ist irgendetwas davon übriggeblieben im Denken und Handeln jener, die jetzt wieder neben den Tischen stehen oder sich darunter verkrochen haben - weil es angeblich nicht anders geht?

Jeder für sich. Ohne Kameras. Jetzt gleich. Schuhe aus und rauf auf die Tische! Und eine Weile länger oben bleiben als beim letzten Mal.