Die mutmaßliche Vergewaltigung einer 18-Jährigen durch mehrere Männer in Freiburg beschäftigt auch die baden-württembergische Landesregierung. Innenminister Thomas Strobl (CDU) kündigte am Dienstag ein Treffen seines Ministeriums mit Polizei und Stadt Freiburg am Mittwochvormittag an. Nach Angaben des Ministeriums nehmen Strobls Staatssekretär Julian Würtenberger, Freiburgs Polizeipräsident Bernhard Rotzinger und der Oberbürgermeister der Stadt, Martin Horn (parteilos), an dem Treffen im Freiburger Rathaus Teil.

Thema ist demnach die Sicherheitslage in Freiburg in Hinblick auf den Vergewaltigungsfall. Eine Sprecherin der Stadt sprach von einem internen Arbeitstreffen, das schon seit langem geplant gewesen sei - ursprünglich allerdings nur zwischen Kommune und Polizei. Horn hatte am Montag mehr Polizisten für seine Stadt gefordert. Die Sicherheitspartnerschaft zwischen dem Land Baden-Württemberg und der Stadt müsse intensiviert und verstetigt werden, sagte der 33-Jährige.

Mehrere schwere Verbrechen in Freiburg

Stadt und Land hatten die Sicherheitspartnerschaft vergangenes Jahr geschlossen. Zuvor hatte es in und um Freiburg mehrere schwere Verbrechen gegeben, unter anderem Morde an zwei Frauen in Freiburg und im nahe gelegenen Endingen. Im Rahmen der Partnerschaft hatte Strobl 35 zusätzliche Polizisten nach Freiburg geschickt, das Programm ist jedoch befristet.

Strobl sagte, die Sicherheitspartnerschaft habe sich sehr erfolgreich entwickelt. Die Kriminalität in Freiburg gehe zurück. Auch die Aufklärungsquote sei gestiegen. "Aber nichts ist so gut, als dass man es nicht noch ein bisschen besser machen könnte", sagte Strobl.

18-Jährige nach Disco-Besuch vergewaltigt

Nach einem Disco-Besuch soll eine 18-Jährige in der Nacht zum 14. Oktober von mehreren Männern vergewaltigt worden sein. Acht Verdächtige sitzen in Untersuchungshaft - sieben Syrer im Alter von 19 bis 29 Jahren und ein 25 Jahre alter Deutscher.

Staatsanwaltschaft äußert sich nicht zu Medienberichten über Haupttäter

Verschiedene Medien berichteten am Dienstag, dass der mutmaßliche Haupttäter wegen zahlreicher anderer Vergehen, darunter exhibitionistische Handlungen und versuchte sexuelle Nötigung, aufgefallen sein soll. Dazu machte die Staatsanwaltschaft am Dienstag keine weiteren Angaben. "Die Ermittlungen dauern an", teilte eine Sprecherin mit. Zwischenergebnisse würden grundsätzlich nicht mitgeteilt. Die genaue Anzahl der mutmaßlichen Täter sei weiterhin Gegenstand der Ermittlungen.

Demonstrationen in Freiburg

Für Montagabend hatten sich in Freiburg mehrere Demonstrationen angekündigt. Auf der eine Seite kamen circa 500 Anhänger der "Alternative für Deutschland" (AfD) für eine Versammlung zusammen. Auf der anderen Seite demonstrierten gut 2000 Menschen wiederum gegen die AfD.

Größtenteils liefen beide Demonstrationen friedlich ab. Der AfD-Zug durch die Innenstadt (vom Martinstor bis zum Rathausplatz) musste allerdings umgeleitet und mehrfach unterbrochen werden, da er von Gegendemonstranten behindert wurde. Über Verletzungen und Festnahmen ist nichts bekannt.

Laut Polizeiangaben hatte sich rund 2000 Gegendemonstranten formiert. Sie waren über die gesamte Altstadt verteilt und versuchten, den AfD-Zug zu stoppen. Die Polizei konnte dies erfolgreich verhindern. Nach der Abschlusskundgebung auf dem Rathausplatz hatten sich wiederum viele Demonstranten um den Platz versammelt. Die dort teilnehmenden AfD-Anhänger kamen deshalb erst circa 40 Minuten nach Ende der Kundgebung wieder vom Platz weg.

Um kurz nach 21.00 Uhr hatten sich dann beide Demonstrationen aufgelöst.

ZDF-Moderatorin Dunja Hayali fordert Konsequenzen

Nach der mutmaßlichen Vergewaltigung hatte sich bereits am Sonntag die ZDF-Moderatorin Dunja Hayali über Facebook zu Wort gemeldet.

Die 44-Jährige verurteilte die Tat in einem längeren Post vom Sonntagnachmittag aufs Schärfste: "Die Gruppenvergewaltigung, die in Freiburg passiert ist, ist entsetzlich, schrecklich, widerlich und abstoßend. Wie übrigens jede Vergewaltigung. Und jeder Täter gehört auch entsprechend bestraft", schrieb Hayali.

Doch richtig spannend wird es im Mittelteil ihres Postings. Hier fordert die Journalistin eine schnellere Abschiebung straffällig gewordener Asylbewerber. "Dass Abschiebeverfahren zu lange dauern, dass sie aus 1000 Gründen rechtlich nicht umgesetzt werden (können) und auch Weiteres in diesem Zusammenhang kann ja kein Ist-Zustand bleiben!" Hayali fordert: Es muss etwas passieren. Auch eine Grundgesetzänderung dürfe nicht tabu sein, um Abschieberegeln zu verschärfen beziehungsweise Verfahren zu beschleunigen. Es könne nicht sein, dass anständige Flüchtlinge, Asylbewerber und Migranten unter Generalverdacht gestellt werden.

Hayali will das übrigens nicht als eine Kehrtwende ihrer Ansichten verstanden wissen und nimmt solchen Stimmen gleich Wind aus den Segeln indem sie abschließend schreibt: "Und bevor hier irgendwelche Unverbesserlichen gleich schreiben: "guck mal, die Hayali ist umgekippt, jetzt hat sie es endlich begriffen..." Lassen Sie es, denn das ist a) Quatsch, ich kritisiere u.a. die Abschiebungsproblematik bzw. das Nicht-Habhaftwerden Krimineller schon lange und b) es hilft vor allen Dingen der Debatte nicht weiter. Man kann sowohl Dinge, die schieflaufen, kritisieren und anprangern, als auch weiterhin für eine offene, tolerante, hilfsbereite Gesellschaft sein. Es ist nicht alles "entweder-oder" oder "schwarz-weiß"."

Die rund 230.000 Einwohner zählende Stadt war schon nach dem Mord an einer Studentin vor rund zwei Jahren in die Schlagzeilen geraten. Deswegen war ein junger Flüchtling festgenommen und im März verurteilt worden. Die damalige Tat sowie weitere Verbrechen in und um Freiburg hatten überregional eine Debatte über die deutsche Flüchtlingspolitik ausgelöst. Dies wiederholt sich nun.

Ermittlungen der Polizei gehen weiter

Die Polizei wertet unterdessen weiter Spuren aus. Die 13-köpfige "Ermittlergruppe Club" arbeite gemeinsam mit dem Landeskriminalamt (LKA) in Stuttgart auf Hochtouren, sagte eine Polizeisprecherin am Samstag. Die Beamten hoffen auch weiter auf Hinweise aus der Bevölkerung. Mögliche Zeugen der Tatnacht zum 14. Oktober sollten sich melden.

Die "Bild"-Zeitung berichtete am Samstag, dass bis zu 15 Täter beteiligt gewesen sein könnten und der Hauptverdächtige bereits mit einem Haftbefehl gesucht worden sei. Die Polizei machte dazu keine Angaben. Ein Sprecher verwies auf die laufenden Ermittlungen.

Männer vergewaltigen Frau nacheinander

Die Dimension des Verbrechens ist außergewöhnlich. Es rückt Freiburg, die südlichste Großstadt Deutschlands, nach einer Serie früherer Gewalttaten erneut ins Blickfeld. Das 18-jährige Opfer soll in der Nacht auf den 14. Oktober in einer Freiburger Diskothek ein Getränk von einem Unbekannten erhalten haben, so die Behörden. Gegen Mitternacht verließ sie den Angaben zufolge die Disco mit dem Mann. In einem nahe gelegenen Gebüsch kam es dann nach Angaben des Opfers zu einem sexuellen Übergriff durch einen der mutmaßlichen Täter. Nach ihm sollen sich auch die anderen Männer an der Frau vergangen haben.

Was war im Getränk der 18-Jährigen?

Noch sei unklar, was sich in dem Getränk, das der 18-Jährigen gegeben wurde, befunden habe, sagte die Sprecherin. In dem Blut der jungen Frau habe sich, wie meist bei solchen Taten, nichts mehr nachweisen lassen. Nach der Einnahme des Getränks und dem Verlassen der Diskothek sei die junge Frau wehrlos gewesen. Sie habe keine Chance gehabt, die Vergewaltigungen zu verhindern. Nach der Tat waren die Männer geflüchtet, die Polizei hatte zunächst keine Spur.

Die nun Festgenommenen seien der Polizei wegen anderer Straftaten bereits bekannt, sagte die Sprecherin. Die meisten von ihnen lebten in Flüchtlingsunterkünften in und um Freiburg. Ob sie sich zu den Vorwürfen geäußert haben, wollten die Ermittler zunächst nicht sagen.

"Abscheuliche Tat"

Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) sagte: "Wenn sich die Tatvorwürfe auch nur ansatzweise bestätigen, haben wir es mit einer abscheulichen Tat zu tun, die niemanden kalt lässt.". Das als linksliberal geltende Freiburg war schon nach dem Mord an einer Studentin vor rund zwei Jahren in die Schlagzeilen geraten. Ein junger Flüchtling war daraufhin festgenommen und im März verurteilt worden. Die damalige Tat sowie weitere Verbrechen in der Region hatten eine Debatte über die deutsche Flüchtlingspolitik ausgelöst.

Das Sicherheitsgefühl der Menschen in Freiburg wurde durch die Verbrechen zuletzt deutlich beeinträchtigt. Dies zu verbessern, soll weiter Ziel von Polizei und Politik sein, wie der parteilose Oberbürgermeister Martin Horn sagte. Straftaten wie diese seien nicht zu tolerieren.

"Wir setzen darauf, dass Freiburg, wie bisher auch, kühlen Kopf bewahren wird", sagte eine Flüchtlingshelferin am Samstag. Es handele sich um eine Tat Einzelner, die nicht pauschalisiert werden dürfe. Es sei jedoch nachzuvollziehen, dass Freiburg verunsichert sei.

Aktionen oder Kundgebungen politischer Gruppen waren am Samstag nicht angemeldet oder absehbar. Der Tatort liegt außerhalb der Stadt in einem Industriegebiet. Vor allem in Wochenendnächten, bei Disco-Betrieb, kommt es dort nach Angaben der Polizei immer wieder zu Straftaten. Das Verbrechen jetzt sprenge jedoch alle bekannten Dimensionen.

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Freiburgs Oberbürgermeister Martin Horn (parteilos) verurteilte die Tat. Für Straftäter dürfe es keine Toleranz geben, sagte er am Freitag. Zugleich warnte er vor vorschnellen Urteilen. Straftaten wie diese dürften nicht dazu dienen, Flüchtlinge pauschal zu verurteilen. Die Mehrheit der in Deutschland lebenden Migranten verhalte sich gesetzestreu. Sein Ziel sei, Freiburg gemeinsam mit der Polizei sicherer zu machen. Erste Maßnahmen wie erhöhte Polizeipräsenz sowie bessere Beleuchtung an Straßen und Wegen zeigten bereits Wirkung.

Nach dem Mord an der Studentin hatte das Land Baden-Württemberg mehr Polizisten nach Freiburg geschickt und eine so genannte Sicherheitspartnerschaft gestartet. Bürgern soll so ein Gefühl von Sicherheit vermittelt werden. Diese Arbeit werde nun fortgesetzt, sagte der Oberbürgermeister. "Es gibt keinerlei Toleranz für solche widerwärtigen Taten."