Wenn es sich um die Eisenbahn handelt, waren die Franken - zumindest historisch betrachtet - immer frühzeitig und schnell unterwegs. 1835 verkehrte mit dem "Adler" zwischen Nürnberg und Fürth Deutschlands erste Eisenbahn. Gerade mal neun Jahre später wurde am 1. September 1844 die Ludwig-Süd-Nord-Bahn eröffnet, die die Städte Nürnberg und Bamberg miteinander verband. Der Streckenausbau vollzog sich in einer für heutige Verhältnisse atemberaubenden Geschwindigkeit. Am 25. August 1843 billigte der Landtag den Bau. Nur ein Jahr später rollten die ersten Züge. Heute unvorstellbar.

Bis 1939 war die Elektrifizierung der Strecke abgeschlossen - moderner und technisch innovativer ging's nicht. 1963 erreichten deutsche Reisezüge auf der Strecke zwischen Bamberg und Forchheim erstmals Geschwindigkeiten von 200 km/h. So viel zur fränkischen Eisenbahngeschichte.

Heute sehen die Realitäten anders aus. Ganz anders.Da wirbelt die juristische Auseinandersetzung um Sinn oder Unsinn eines kleinen Stücks Trassenführung nicht nur den Zeitplan für den Ausbau der S-Bahn zwischen Fürth und Erlangen durcheinander. In Mitleidenschaft gezogen wird auch der zügige Ausbau der ICE-Strecke zwischen Fürth und Ebensfeld. Kleines Teilstück eines prestigeträchtigen Paradestücks an Eisenbahnverbindung, euphorisches Kind der Wiedervereinigung aus dem Jahr 1991, das München und Berlin schneller zusammenbringen soll. Und noch dazu als transeuropäischer Korridor Richtung Verona dienen könnte.

Die Idee, 1991 geboren, wurde schon einmal zu Grabe getragen. 1999, nachdem rund 650 Millionen Mark verbaut waren, beerdigte die rot-grüne Bundesregierung das Bauvorhaben. Zu teuer, zu unwirtschaftlich. Drei Jahre später war man mit einem Mal anderer Meinung. Beschloss die Wiederaufnahme der Bauarbeiten an Deutschlands größtem Eisenbahnprojekt.

Und heute? Fährt der ICE mit über 200 Sachen zwischen München und Fürth. Ab 2017 auch von Ebensfeld Richtung Berlin. Dazwischen bleibt ein kleinen Teilstück im Fränkischen, zwei Gleise, auf denen sich der ICE, Regionalexpresszüge, Güterzüge und die S-Bahn drängeln dürfen. Die Politik setzt neuerdings auf Zwischenlösungen im Trassenstreit. Ein hilfloses Zeichen dafür, dass es so schnell keine Lösung geben wird in der Trassenfrage.