München
Tier-Messis

Wenn Menschen Tiere horten: 200 Fälle von "Animal Hoarding" in Bayern

Sie sammeln geradezu krankhaft Tiere an, auch wenn sie die Versorgung und Pflege nicht gewährleisten können. Das sogenannte "Animal Hoarding" zieht seit Jahren auch in Bayern seine Kreise.
Die Tiere können in den allermeisten Fällen nicht mehr artgerecht versorgt werden, und müssen dann in Tierheime oder aufnehmende Einrichtungen. Symbolfoto: J. S. Pfeifer/Blickwinkel/dpa

72 Kaninchen auf einmal, 25 Katzen, 53 Ratten oder sogar 155 Hunde auf nur einem Anwesen: Den Behörden in Bayern sind in den vergangenen fünf Jahren fast 200 Fälle bekannt geworden, in denen Menschen auf meist engem Raum viel zu viele Tiere horteten. "Animal Hoarding" wird das Phänomen genannt, man versteht darunter das meist krankhafte Sammeln und Halten von Tieren. 191 solcher Fälle wurden zwischen 2014 und September 2019 gezählt, wie aus einer Antwort des Umweltministeriums auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion hervorgeht.

Animal Hoarding: Das krankhafte ansammeln von tierischen Begleitern

Mindestanforderungen an die Haltung und Pflege der Tiere würden von den betreffenden Frauen und Männern nicht erfüllt. Diese seien "nicht mehr in der Lage, eigeninitiativ Tierhaltungsmängel zu korrigieren", heißt es in dem Papier, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Statistisch erfasst werden die Fälle nach Angaben des Ministeriums nicht. Die 191 Fälle wurden auf Nachfrage von den örtlichen Veterinärbehörden mitgeteilt, aber nicht nach Jahren aufgeteilt.

In der Stadt München beispielsweise wurden elf Fälle von "Animal Hoarding" gezählt.

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Zusammengezählt registrierten die Behörden rund 150 Mäuse, 16 Reptilien, 16 Spinnen, rund 145 Katzen, zwei Amphibien, rund 155 Ziervögel, 11 Kaninchen, einen Fisch, 156 Tauben, 21 Hunde, vier Meerschweinchen, drei Kängurus und eine Wasserschildkröte.

Im Landkreis Lichtenfels gab es einen Fall mit 30 Pferden, rund 100 Tauben, etwa zehn Katzen, sieben Meerschweinchen, elf Hunden, zwei Schafen und zwei Rindern. Im Landkreis Fürstenfeldbruck hortete eine Person insgesamt 72 Kaninchen, im Landkreis Oberallgäu waren es in einem Fall 43 Mini-Schweine, in Kempten hortete jemand 53 Ratten.

Einen der größten Fälle gab es im Landkreis Deggendorf: Hier lebten zusammen 155 Hunde, 36 Equiden (Pferde, Esel etc.), 129 Schafe und Ziegen.

Animal Hoarder horten keine bestimmte Art

In der Liste der Tiere, die gehortet wurden, finden sich neben Hunden, Katzen und Kaninchen aber auch viele andere: Frettchen, Kleinpapageien, Ziervögel, Lamas, Schlangen, Schildkröten, Salamander, Molche, Geckos, Spinnen, Waschbären, Gänse und Enten.

In vielen der 191 Fälle waren Ermittlungsverfahren die direkte Folge: In 65 Fällen wurde laut Ministerium Strafanzeige erstattet, in drei Fällen befanden sich Strafanzeigen in Vorbereitung. In vielen Fällen kam es zu verwaltungs- oder tierschutzrechtlichen Gerichtsverfahren.

Grünen-Politikerin setzt sich für Präventionsmaßnahmen ein

Kerstin Celina (Grüne) rief dazu auf, alles zu unternehmen, um "Animal Hoarding" zu verhindern. Ziel müsse es sein, die psychischen Nöte der Tierhalter früh zu erkennen und Hilfe anzubieten. Mit der Strafverfolgung bei aufgedeckten Fällen und einem eventuellen Tierhalteverbot sei niemandem dauerhaft geholfen. Wichtig seien niederschwellige Hilfsangebote. "Gerade bei psychischen Erkrankungen, aber auch bei körperlicher Überforderung, trauen sich doch die wenigsten, Hilfe zu suchen", argumentierte die Grünen-Abgeordnete.

Helfende Einrichtungen müssen unterstützt werden

Zudem forderte Celina eine stärkere finanzielle Unterstützung von Tierheimen. Die Einrichtungen dürften in derartigen Fällen nicht unter der finanziellen Last zusammenbrechen. "Es sind schließlich ehrenamtlich geführte Vereine, die nicht dafür ausgelegt sind, die personelle und finanzielle Last von zufällig in ihrer Region entdeckten Fällen von massivem Tierleid aufzufangen", sagte sie. Und sie forderte, bei "Animal Hoarding" psychische Ursachen generell zu prüfen und statistisch zu erfassen. Das passiere bisher nicht.