Extreme Hitze und ausbleibende Niederschläge machen Bayerns Fischen zu schaffen. Insbesondere betroffen sind kälteliebenden Arten wie Forellen und Saiblinge. Weil die Klimaveränderung solche Sommer auch im Freistaat häufiger machen, fordert der Bayerische Landesfischereiverband (LFV), dass Flüsse und Bäche wieder natürlicher werden müssen.
Demnach setzen etwa Schleusen und die rege Freizeitnutzung die Fische unter Stress. Mit den Temperaturen steigt außerdem die Gefahr eines Parasitenbefalls und die Sauerstofflöslichkeit im Wasser nimmt ab. Kommt beides zusammen, kann das für die Tiere tödlich enden. "Künstliche Staubereiche verlangsamen die Fließgeschwindigkeit, so erwärmen sich die Gewässer stärker", sagt LFV-Präsident Albert Göttle. "Kommen dann noch Wärmeleinleitung von Kohle- und Kernkraftwerken dazu, wird es für Fische gefährlich.
Fehlender Niederschlag verschärft die Situation. "Schwingt das Wetter nicht ausreichend oder gar nicht um, kann es in den Flüssen zu einem Fischsterben führen", warnt der Fischereifachberater des Bezirks Oberfranken, Kay Kuhlen. Anders sieht es bei stehenden Gewässern aus. Wenn sich das Wasser dort abkühlt und keine Sonne da ist, sterben die Algen ab, zersetzen sich und entziehen dem Teich zusätzlich Sauerstoff. Negativ auch für die Karpfenzüchter: "Die ersten Teiche wurden bereits notgefischt und die Fische umgesetzt", so Kuhlen.


Wasserkraft als Stressfaktor

Zwar könne man dem Sauerstoffmangel in Seen entgegenwirken. So versuchen sich Teichbewirtschafter etwa mit Sauerstoffpumpen zu helfen oder sie wälzen das Wasser aufwendig um. Was für kleinere Gewässer relativ gut machbar ist, gestaltet sich in wasserreicheren schon schwieriger, meint Kuhlen. "Bei großen Baggerseen zum Beispiel müsste man einige Tage am Stück aktiv sein", sagt er und appelliert, stattdessen mehr auf Prävention zu setzen.
Der hiesige Landesfischerverband macht die bayerischen Wasserkraftwerke als weiteren großen Stressfaktor für die Fischwelt aus. Alleine in Franken gibt es 839 Anlagen. Ein besonderes Problem besteht demnach bei Ausleitungskraftwerken: Die zweigen das Wasser zum Antrieb ihrer Turbinen vom eigentlichen Flussbett in einen Kanal. Was übrig bleibt, wird als Restwasser bezeichnet. Fällt der Regen weg, sinkt der Restwasserstand massiv. Die Folge: Die Wassertemperatur steigt überproportional an. Wie der Niedrigwasser-Informationsdienst Bayern meldet, sind die Pegel beinahe aller fränkischer Flüsse "sehr niedrig".
Der LFV-Präsident wünscht sich ein Frühwarnsystem nach österreichischem Vorbild. Steigen dort die Temperaturen, lassen Kraftwerksbetreiber im Ernstfall mehr Wasser in die Restwasserstrecke, obwohl das die Stromerzeugung schmälert. Göttle: "Daran könnten sich die Wasserkraftbetreiber in Bayern ein Beispiel nehmen, nutzen sie doch das öffentliche Gut Wasser über Jahrzehnte kostenlos".