Es ist, wie es in Oberfranken halt immer ist. Jetzt, wo der Ministerpräsident seine im Wahlkampf getroffene Zusage für die Schaffung eines Heimatministeriums einlösen muss, kämpft nicht etwa der gesamte Regierungsbezirk darum, dass dieses neue Ressort der Staatsregierung überhaupt in seinen Grenzen entsteht. Lieber werden gleich alte Rivalitäten gepflegt: Die Bayreuther tun so, als ob sie es schon hätten, was den Bambergern gar nicht passt; die Hofer wollen es sowieso, und dann wären dann noch Coburg, Kronach und Wunsiedel, oder vielleicht auch Kulmbach, das, geographisch zumindest, in der Mitte von Oberfranken liegt.

Die Aufregung prallt ab an den Mauern der Staatskanzlei, hinter denen Horst Seehofer sitzt und bekundet hat, dass er erst einmal gar nichts bekundet. Er nimmt sich Zeit: Erst einmal will er am 14. Oktober vom Landtag - sprich: von seiner CSU - zum Ministerpräsidenten gewählt werden, bevor zehn Tage später die Mitglieder seines Kabinetts vereidigt werden.

Einstweilen lohnt sich die Erinnerung an das, was Seehofer tatsächlich versprochen hat beim "Tag der Franken" am 7. Juli: In Franken, das bekanntlich aus drei Regierungsbezirken besteht, soll das neue Ressort angesiedelt sein, und es soll die kommunale Selbstverwaltung ebenso stärken wie den ländlichen Raum insgesamt. Das neue Ministerium sucht also noch seine Heimat - nicht nur, was den Standort angeht, sondern auch beim Zuschnitt seiner Aufgaben.Die sind mit Seehofers bisheriger Ankündigung nur vage beschrieben.

Fest steht lediglich, dass er das neue Ministerium nicht einfach aufpropfen kann auf den bestehenden Regierungsapparat samt der bisherigen Verteilung der Minister und Staatssekretäre. Von denen gesteht ihm die Bayerische Verfassung insgesamt maximal 17 zu, und die hat er bereits.

Räumt Seehofer Ressorts auf?

Ohnehin liegt die Vermutung nahe, dass Seehofer, gleich zu Beginn seiner letzten Amtszeit, eine Neuordnung der Ressorts der Staatsregierung und damit eine Umverteilung der jeweiligen Kompetenzen anstrebt. Denn die sind, in Jahrzehnten, zu einer fragwürdigen, weil widersprüchlichen, Aufgabenverteilung gewachsen. Hierzu nur Beispiele: Beim Verkehr ist das Wirtschaftsministerium zuständig für die Schiene, aber das Innenministerium für die Straße.

Das Sozialministerium organisiert die Kinderbetreuung, die doch, als frühkindliche Bildung, zum für die Schulen verantwortlichen Kultusministerium gehören müsste. Dieses wiederum könnte wieder zusammengelegt werden mit dem für die Universitäten zuständigen Wissenschaftsministerium.

Eine zentrale Zuständigkeit für die Energiewende fehlt, und angebliche Ambitionen von Finanzminister Markus Söder (CSU) auf die Digitalisierung erscheinen abwegig. Der Breitbandausbau müsste Aufgabe eines Heimatministeriums sein.

Dieses könnte auch das Landwirtschaftsministerium ersetzen, dass sich bisher schon, Stichpunkt Dorferneuerung, zuständig fühlt für die Entwicklung des ländlichen Raums.

Fest steht heute nur, dass es ein Heimatministerium geben wird - wo und mit welcher Zuständigkeit auch immer.