Zuerst der Kampf um die Macht in Bayern: Der alte Landesvater, die graue Eminenz der CSU, verliert die Schlacht mit dem Emporkömmling aus Franken - und damit auch sein Amt als Ministerpräsident. Doch den Recken aus Ingolstadt zieht es zum Preußen nach Berlin. Dort will er als Bundesinnenminister noch einmal zeigen, was in ihm steckt - und der ewigen Kanzlerin die Stirn bieten. In einem letzten Showdown stehen sich dann Angela Merkel und Horst Seehofer gegenüber: Unversöhnlich und unerbittlich. Zwar verliert der große, alte Mann aus Bayern den Kampf - doch zieht er seine Gegnerin mit in den Abgrund. Und dann fällt der Vorhang?

Wer immer das Drehbuch zu diesem Drama geschrieben hat, er scheint ein Fan der großen Gefühle und der überladenen Bilder zu sein. Um Inhalte schert sich der Regisseur hingegen wenig. Denn wenn man einmal betrachtet, um was im großen Asylstreit eigentlich geht, bleibt kaum etwas übrig.


Die Positionen von CSU und CDU in der Flüchtlingsfrage unterscheiden sich kaum. Der Konflikt entflammte vordergründig an der Frage der Zurückweisung von Menschen auf der Flucht an der Deutschen Grenze. Sicher, darüber kann man diskutieren - aber dafür die Regierungsbeteiligung aufs Spiel setzen? Die viel wichtigere Frage ist doch, wie man mit den Menschen umgeht, die bereits in Deutschland sind. Und wie man die Situation in den Heimatländern der Flüchtlinge so verbessern kann, dass sie erst gar nicht zu Flüchtlingen werden müssen.

 


Bühnenstück der CSU - Fortsetzung im Oktober

Doch diese Fragen taugen nicht zur Inszenierung. Denn genau das ist der große Koalitionsstreit in der Flüchtlingsfrage: Ein Bühnenstück der grotesken Art. Die CSU setzt alles daran, Angela Merkel als Getriebene des bayerischen Löwen darzustellen. Die Botschaft: Wir Bayern haben Deutschland in der Hand.

Doch nun scheint die CSU den Bogen überspannt zu haben. Aus der jetzigen Situation kann sie sich kaum befreien, ohne selbst das Gesicht zu verlieren. Und ob die Zuschauer sich wirklich von dieser Aufführung begeistern lassen, bleibt abzuwarten. Eine Antwort darauf gibt es spätestens am 14. Oktober 2018 - wenn die Menschen in Bayern über die Fortsetzung dieses Bühnenstücks abstimmen sollen.

Dann wird sich herausstellen, ob sich Horst Seehofer, Markus Söder und die CSU nicht verrechnet haben: Denn auch eine andere Partei hat am vergangenen Wochenende an ihrem ganz eigenen Theaterstück zur Flüchtlingspolitik gearbeitet. Ein Stück voller Hass, Vorurteile und einfachen Antworten. Wenn also nicht bald Schluss mit dem Theater ist, droht in Bayern ein Ende mit Schrecken.