• Influencerin riskiert ihr Leben für Foto 
  • Bayerischer Nationalpark reagiert mit Unverständnis
  • Polizei ermittelt nun gegen 25-Jährige aus NRW

Eine 25-jährige Influencerin aus Köln (Nordrhein-Westfalen, NRW) hat mit einer Fotoveröffentlichung auf Instagram für Aufsehen gesorgt. Yvonne Pferrer, bekannt aus der TV-Serie "Köln 50667", legte sich in einen der Gumpen des Königsbachwasserfalls im "Nationalpark Berchtesgaden" in Bayern und ließ sich beim Baden fotografieren. Selbst nach heftiger Kritik von mehreren Seiten löschte die Influencerin das Foto nicht. Nun ermitteln die Behörden gegen die 25-Jährige.

Update vom 10.06.2020: Polizei ermittelt gegen Influencerin 

Nachdem Yvonne Pferrer mit ihrem Instagram-Post aus dem bayerischen "Nationalpark Berchtesgaden" für überregionale Schlagzeilen gesorgt hat, ermittelt nun die Polizei. Hintergrund der Ermittlungen sind die Aufnahmen des Fotos durch eine Drohne. Das bestätigte das zuständige Landratsamt dem Bayerischen Rundfunk.

Der Einsatz von Drohnen ist im Nationalpark verboten. Der Einsatz der Technik ist ordnungswidrig und zieht in der Regel ein Bußgeld von bis zu 2500 Euro nach sich. 

Erstmeldung vom 09.06.2020: Influencerin riskiert für Foto ihr Leben - Nationalpark erbost

Um für soziale Netzwerke spektakuläre Fotos zu schießen, wagen sich Influencer immer wieder an riskante Orte und riskieren ihr Leben. Ein beliebtes Motiv ist der Königssee in Bayern, im Herzen des "Nationalparks Berchtesgaden". 

Dort kam es schon mehrfach zu Unfällen: bereits im April 2019 starben dort zwei junge Männer. Nun begab sich Influencerin Yvonne Pferrer an den Ort und veröffentlichte auf Instagram eine Fotoaufnahme, auf der sie in einer der Gumpen des Königsbachwasserfalls badet.

Influencerin postet Foto - "Ja spinnt's ihr?"

Der 25-Jährigen folgen aktuell mehr als 1,2 Millionen Nutzer auf Instagram (Stand: 9. Juni 2020). Auf ihrem Kanal veröffentlicht sie häufig Fotos aus der Natur. Das Foto aus dem Nationalpark wurde am 4. Juni hochgeladen und sammelte mittlerweile trotz Kritik über 82.000 Likes. (Stand: 9. Juni, 10.00 Uhr)

In einer folgenden Instagram-Story spricht Pferrer über ihre Gefühle während des Fotoshootings: "Also ich muss ehrlich sagen, ich hatte noch keinen Ort wo ich so Angst hatte, wie an diesem Pool. Es geht dort einfach direkt runter", erzählt sie darin. Ihre Community machte sie bereits des mehrfachen auf die Gefahr an diesem Ort aufmerksam. 

Der verantwortliche "Nationalpark Berchtesgaden" wurde auf den Post und die damit einhergehende Kritik schnell aufmerksam. Als Reaktion teilten sie auf ihrer Instagram-Seite ebenfalls ein Bild von dem Wasserfall. Darauf zu sehen ist außerdem ein roter Schriftzug: "Ja spinnt's ihr?"

Nationalpark reagiert - und hofft auf weniger Influencer

"Der Wasserfall am Königssee ist dem Überfall durch Influencer zum Opfer gefallen. Das früher ruhige und abgelegene Naturparadies leidet. Viele Einheimische gehen wegen der Massen gar nicht mehr hin. Die Gumpen werden im Netz getaggt, gepostet, geliked, am besten gleich live", heißt es von Seiten des Nationalparks.

Vor allem Besucher sollen sensibilisiert und sich ihrer Verantwortung bewusst werden. Zum einen geht es um den persönlichen Schutz, gleichzeitig auch um den Schutz der Natur. Diese werde im Naturpark "immer mehr zerstört", so der Nationalpark. Dazu zählen eine zertretende Ufervegetation, "Berge von Müll", sowie hinterlassene Billig-Zelte und Schlafsäcke. Auch "illegale Lagerfeuer" werden aufgelistet, heißt es weiter.

Abschließend richten die Verantwortlichen des Nationalparks noch einige Worte "an alle Influencer." Mit ihrer großen Reichweite und dem Einfluss auf viele Menschen werden "durch solche Postings die Natur zerstört", prangern die Verantwortlichen an: Um die Tiere und die Pflanzenwelt zu schützen, sei "Campieren, Lagerfeuer, Müll, Drohnenflüge" im Nationalpark verboten.

Verantwortungsvoller Umgang mit der Natur gefordert

Zudem wird zu einem verantwortungsvollen Umgang zu Mitmenschen und Natur appelliert. Alte Posts sollen gelöscht, keine neuen mehr ins Netz gestellt werden. Auch auf Wegbeschreibungen und Hashtags ("#stopgeotagging #protectnature") solle verzichtet werden.

Yvonne Pferrer hat mittlerweile auf die Kritik reagiert und den Text zu ihrem Foto angepasst. Laut ihrer Aussage gab es nach ihrem Besuch dort eine Einladung des Nationalparks zu einem offenen Gespräch. Dort wurde sie auf die Gefahren und negativen Auswirkungen auf die Natur aufmerksam gemacht. Um Besucher und die Natur zu schützen, möchte der Nationalpark nicht, "dass noch mehr Menschen hierherkommen!"  

Foto: Lino Mirgeler/dpa
Screenshot: Instagram/yvonnepferrer

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