Strahlend blauer Himmel, aber extreme Kälte: Bayern hat auch zum Wochenbeginn unter einer Kälteglocke gefröstelt. Vielerorts sackten die Temperaturen auf bis zu minus 20 Grad ab. Die hohen Minusgrade setzten am Montag auch dem Bahn- und Schiffsverkehr im Freistaat zu.

Zahlreiche Pendler zitterten am Montag wegen verspäteter Züge auf den Bahnhöfen. Nach Angaben eines Bahn-Sprechers waren mehrere Weichen und Signalanlagen gestört. In München hätten sich Züge durchschnittlich um zehn bis 15 Minuten verspätet; auch in Nürnberg gab es Probleme.

Der Fahrgastverband Pro Bahn zeigte sich mit den leichten Verzögerungen aber recht zufrieden. "Im Großen und Ganzen läuft der Zugbetrieb gut", sagte Sprecher Karl-Peter Naumann. Es komme vereinzelt zu Verspätungen. Dies sei aber noch erträglich.

Der Schiffsverkehr im Freistaat wurde mancherorts hingegen komplett eingestellt. Allein der Main-Donau-Kanal war auf einer Länge von 115 Kilometern gesperrt, wie das Wasser- und Schifffahrtsamt Nürnberg berichtete. 32 Schiffe konnten nicht weiterfahren.

Nicht stoppen ließen sich hingegen die Wintersportler: Auf den Pisten der Zugspitze herrschte reger Betrieb, wie eine Sprecherin der Zugspitzbahn sagte. "Wir haben beste Bedingungen bei Sonnenschein, blauem Himmel und einer bis zu 150 Kilometer weiten Fernsicht. Das lockt viele Menschen an." Die Skifahrer und Snowboarder wüssten, dass sie bei Temperaturen um minus 20 Grad auf die richtige Kleidung achten müssen.

Die Eiseskälte machte vor allem den Obdachlosen im Freistaat zu schaffen. Notunterkünfte waren meistens voll belegt. "Es könnte sein, dass Leute jetzt im Sitzen über die Nacht gebracht werden", sagte Wolfgang Strobel, pädagogischer Leiter vom Haus Großweidenmühlstraße in Nürnberg. Vor allem die Unterkünfte für Männer seien seit Beginn der Kältewelle voll. Weggeschickt werde aber niemand.

Steigenden Bedarf an Schlafplätzen verzeichnete auch das Sozialwerk in Nürnberg. "Die Auslastung ist in der vergangenen Woche stetig gestiegen", sagte Verwaltungsleiter Frank Hummert. Durch den strengen Frost kämen Menschen in die Notunterkünfte, die sonst selbst im Winter lieber draußen schliefen.

Wer nachts trotz Kälte unterwegs war, lebte gefährlich. Ein betrunkener Jugendlicher entging am oberbayerischen Schliersee nur knapp dem Kältetod. Polizisten hatten den 17-Jährigen am Wochenende schlafend auf einer Bank gefunden. Wie die Bundespolizei berichtete, war er bereits unterkühlt. In Mittelfranken musste ein Radfahrer in der Nacht zum Montag von einem zugefrorenen Bach geholt werden. Er war gestürzt und kopfüber auf die Eisfläche gefallen.

Auch für die kommenden Tage machten Meteorologen wenig Hoffnung auf Plusgrade. "Insgesamt bleibt uns der Winter erhalten", sagte Volker Wünsche vom Deutschen Wetterdienst in München. "Nachts wird es meistens strengen Frost geben, zum Teil mit bis zu minus 20 Grad." Kleiner Trost: Die Temperaturen gehen "ganz, ganz langsam" etwas nach oben, kündigte der Meteorologe an. "Wir bleiben aber trotzdem im Frostbereich."

Den Wurstverkäufern in Hof ist das deutlich zu kalt: Sie kapitulierten am Montag vor dem Gefrierschrank-Wetter und blieben in der warmen Stube. "Bei Minus 22 Grad habe ich entschieden, heute daheimzubleiben", sagte Marcus Traub. Er gehört zu den acht "Wärschdla"-Männern, die in der Hofer Innenstadt die Fußgänger mit Würstchen versorgen. Wenn allerdings Senf, Ketchup und sogar das Brötchen einfrieren, meint er, dann mache der Verkauf keinen Sinn mehr.

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