Zwar fehlt ein verbindlicher Katalog von Vorschriften. Auch gibt es regionale Unterschiede. Doch allgemein fühlen sich die Diebe an folgende Grundregeln gebunden:

- Es dürfen nur bereits gefällte Bäume gestohlen werden.
- Es dürfen nur Maibäume gestohlen werden, die sich bereits in dem Ort befinden, wo sie aufgestellt werden sollen.
- Das Stehlen des Maibaums im eigenen Ort ist tabu.
- Der Baum muss heimlich und unentdeckt gestohlen werden.
- Er darf dabei nicht beschädigt werden.
- Keinesfalls darf gegenüber den Bewachern Gewalt angewendet werden.
- Legt ein Bewacher seine Hand auf den Stamm, darf der Maibaum von den Dieben nicht mehr angerührt werden.
- Werden die Diebe innerhalb der Gemeindegrenze beim Abtransport überrascht, müssen sie ihre Beute kampflos zurückgeben.
- Aufgestellte Bäume dürfen nicht mehr gestohlen werden.
- Der Schmuck von Bäumen darf nicht gestohlen werden, nur der Stamm als solcher.
- War der Diebstahl erfolgreich, treten die Parteien in Rückgabeverhandlungen ein. Dabei dürfen keine überzogenen Forderungen gestellt werden.
- Nach der Auslösung herrscht wieder Eintracht unter den Burschen.
- Es ist erlaubt, auch einen gestohlenen Maibaum zu stehlen - entweder von Dritten oder von den Bestohlenen. Doch selbst dabei müssen die bekannten Regeln eingehalten werden.
- Traditionsgemäß helfen die Maibaumdiebe nach Rückgabe der Beute den Bestohlenen beim Aufstellen und übernehmen gegebenenfalls auch das Schmücken.
- Scheitern die Verhandlungen um die Rückgabe, stellen die neuen Besitzer den Maibaum als Schandmal und zusätzlichen Segensbringer für ihren eigenen Ort auf. Nach einigen Wochen wird er zersägt und versteigert.


Maitanz und Maiandacht

Das Aufstellen eines neuen Maibaums zählt im Brauchtumskalender zu den großen Festen. Je kleiner das Dorf, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Maibaum nach alter Tradition mithilfe von Stangen langsam aufgerichtet wird, das Ganze allein mit Manneskraft. Immer öfter übernimmt aber ein Kran das Aufstellen.

Natürlich wird anschließend gefeiert. Bei Essen und Trinken darf die Blasmusik nicht fehlen. Mit dem Maitanz klingt das Fest am Abend aus. Die Wurzeln des europaweiten Maibaum-Brauchtums liegen im Dunkeln. "Schriftliche Quellen gibt es seit der Barockzeit", weiß Oberbayerns Bezirksheimatpfleger Norbert Göttler. "Vermutlich haben sich die Zünfte und Handwerkergruppen gerne mit solch einem geschmückten Baum dargestellt." Ob der Brauch auf die Fruchtbarkeitsrituale und Baummysterien der Kelten zurückgeht, will Göttler der Deutung jedes Einzelnen überlassen - "wissenschaftlich gesichert ist es nicht".
Der 1. Mai ist als Tag der Arbeit in Deutschland ein gesetzlicher Feiertag. Die Gewerkschaften nutzen ihn, um auf die Rechte der Arbeiter aufmerksam zu machen. Am 1. Mai beginnt aber auch der Marienmonat. In den katholischen Kirchen werden die ersten Maiandachten gefeiert.