Nach jahrelangen Verzögerungen werden die Ganztagsangebote an bayerischen Grundschulen vom kommenden Schuljahr an massiv ausgebaut. In einem ersten Schritt soll es bis zu 300 neue offene Ganztagsgruppen geben, die teilweise bis 18.00 Uhr geöffnet haben. Auch in den Ferien soll eine Betreuung der Kinder sichergestellt werden. Dafür soll ein Vielfaches an staatlichen Zuschüssen fließen. Eine entsprechende Vereinbarung unterzeichneten Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und die Chefs der kommunalen Spitzenverbände am Dienstag nach der Kabinettssitzung in München.

"Wir setzen damit Maßstäbe", sagte Seehofer und betonte: "Dieses Angebot stärkt die Familien, verbessert die Chancengerechtigkeit und ist bahnbrechend für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf."

Bislang gibt es an Grundschulen entweder sogenannte gebundene Ganztagsangebote, mit über den ganzen Tag verteiltem Unterricht - oder lediglich Mittagsbetreuungsangebote. Nun sollen in Zusammenarbeit zwischen Schulen, Kommunen und Jugendhilfe-Trägern offene Ganztagsgruppen eingerichtet werden - bis zu 3000 in den kommenden Jahren. Die Kinder gehen also morgens normal zur Schule, bekommen anschließend ein Mittagessen und werden dann von Pädagogen betreut. Das "normale" Angebot bis 16.00 Uhr soll - mit Ausnahme des Mittagessens - kostenfrei sein. Lediglich die Betreuung in Rand- und Ferienzeiten soll die Eltern ein wenig Geld kosten. Auch an Förderschulen soll es künftig offene Ganztagsbetreuung geben.

"Guter Tag für Bayern"

Nach Angaben von Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) kostet dies den Freistaat am Ende bis zu 160 Millionen Euro jährlich. Gemeindetagspräsident Uwe Brandl (CSU) ergänzte, die kommunale Seite trage noch einmal in etwa den gleichen Anteil. Er sprach insgesamt von einem "guten Tag für Bayern". Städtetagspräsident Ulrich Maly (SPD) betonte aber auch, dass dies nur ein Anfang sei. Weitere Schritte müssten folgen.

Auch die Opposition sprach von einem überfälligen Schritt. SPD, Freien Wählern und Grünen geht das Ganze zudem nicht schnell genug. Die SPD sprach sich deshalb für einen Rechtsanspruch auf einen Ganztagesplatz für alle Grundschulkinder aus. "Wir wollen Bildungsgerechtigkeit schaffen, und das bedeutet, dass in den nächsten Jahren alle Kinder das neue Ganztagsangebot an der Grundschule wahrnehmen können", sagte Fraktionsvize Simone Strohmayr.

Günther Felbinger (Freie Wähler) sagte: "Es ist erfreulich, dass die Staatsregierung nicht mehr nur auf Betreuung, sondern nun auch auf Bildung setzt - und damit auf die offene Ganztagsgrundschule." Im gebundenen Ganztagsbereich sei Bayern aber schlecht aufgestellt. Und Thomas Gehring (Grüne) sagte: "Ein erster, längst fälliger Schritt ist getan. Der Weg zum Gipfel ist aber noch sehr, sehr weit." Ziel müsse ein flächendeckendes Angebot an allen Grundschulen sein.

Seehofer hatte nach der Landtagswahl 2013 eine Ganztagsgarantie für alle Schüler bis 14 Jahre ausgesprochen. "Bis 2018 gibt es in allen Schularten für jede Schülerin und jeden Schüler bis 14 Jahre ein bedarfsgerechtes Ganztagsangebot", hatte er in der ersten Regierungserklärung nach seiner Wiederwahl im Herbst 2013 gesagt.