"Es dürfte nicht gesichert sein, dass das vollkommen unproblematisch ist", sagte sein Sprecher am Montag in Berlin zu den psychischen Auswirkungen von "Ballerspielen" angesichts unterschiedlicher Studien. "Deshalb hält der Bundesinnenminister es für richtig und notwendig, darüber eine Diskussion zu führen."

Es gehe "überhaupt nicht darum, alle Menschen, die solche Spiele spielen, unter Generalverdacht zu stellen", betonte der Sprecher. Es sei de Maizière auch nie darum gegangen, "zu sagen, jetzt waren die Ballerspiele verantwortlich, dass das passiert ist".

Der Innenminister hatte den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montag) zuvor gesagt, ein Verbot solcher Spiele sei in einem freiheitlichen Rechtsstaat "nicht der richtige Weg und wäre auch schwer umzusetzen. Aber wir müssen uns intensiv darüber Gedanken machen, wie wir zu einem verantwortungsvolleren Umgang mit solchen Medien kommen - damit Kinder und Jugendliche nicht ungeschützt Gewalterfahrungen ausgesetzt sind, deren längerfristige Folgen wir nicht sicher abschätzen können".
Der Amokläufer von München hat nach Angaben der Polizei mehrere Opfer mit Kopfschüssen getötet und sich dabei vermutlich an Killerspielen orientiert. "Mein Eindruck war, der hat sich wie in einem Computerspiel bewegt", sagte Kriminaldirektor Hermann Utz. Allerdings sei der gut zweistündige Amoklauf noch nicht lückenlos aufgearbeitet. Die Ermittler hätten bisher keine detaillierten Erkenntnisse, was am Freitagabend zwischen dem Beginn der Bluttat und dem Suizid des Täters passiert sei, sagte Gerald Busch vom bayerischen Landeskriminalamt am Montag in München. "Wir sind dabei, diesen Weg ganz genau zu rekonstruieren."


Hintergrund: Die Waffe des Amokschützen von München

Der Amokläufer von München schoss nach Angaben der Ermittler mit einer Pistole Glock 17 vom Kaliber 9 Millimeter. Er hatte zwei Magazine mit je 17 Patronen. Der Österreicher Gaston Glock hatte diese Waffe Anfang der 1980er Jahre für das österreichische Heer entwickelt. Die Glock gilt heute als meistverkaufte Pistole der Welt.

Der bei Wien ansässige Waffenhersteller wirbt so für seine Pistole: "Keine Pistole ist einfacher zu bedienen. Sie bietet stets die höchste Feuerkraft ihres Kalibers." Sie wiege nur 625 Gramm und ist somit ziemlich leicht. Das erfülle die Anforderungen von Polizei, Spezialeinheiten, Sicherheitsdiensten und Militärs. "Die Glock 17 im Kaliber 9x19 ist die weltweit meistbenützte Behördenpistole", heißt es weiter.

Auch der norwegische Amokläufer Anders Breivik hatte bei seiner Tat vor fünf Jahren neben einem Gewehr auch eine Glock-Pistole benutzt. Der Amokläufer Adam Lanza, der 2013 im US-Bundesstaat Connecticut 20 Grundschulkinder, sechs Lehrer und sich selbst erschoss, benutzte ebenfalls eine Glock. Auch Cho Seung-Hui, der 2007 an einer Hochschule im US-Bundesstaat Virginia 32 Menschen und sich selbst tötete, hatte eine Glock.