Damit der Atomausstieg gelingt, soll die Landwirtschaft eine wesentlich größere Rolle spielen als ursprünglich gedacht. Agrarminister Helmut Brunner (CSU) hält eine knappe Verdreifachung der Biogas-Produktionskapazität im Freistaat für machbar.

"Wir haben in Bayern derzeit 2400 Biogasanlagen mit einer Kapazität von 700 Megawatt. Theoretisch ist aus meiner Sicht eine Produktionskapazität von 2000 Megawatt darstellbar - sowohl durch Neubau als auch durch die Optimierung der bestehenden Anlagen", sagte Brunner. Der Agrarminister hatte im Frühjahr von Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) den Auftrag erhalten, einen starken Ausbau der Biogasanlagen zu prüfen. Nun legte Brunner eine erste Zwischenbilanz vor.

Biogasanlagen könnten demnach bei der Produktion erneuerbarer Energien die unvermeidlichen Lücken abdecken: "Ziel muss sein, dass diese Biogasanlagen nicht 24 Stunden laufen, sondern den Strombedarf abdecken, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht", sagte der niederbayerische CSU-Politiker. "Als Brennstoffe eignen sich Gülle, pflanzliche Reststoffe von Futterpflanzen und Energiepflanzen."

Eigentlich sieht das Energiekonzept der Staatsregierung den Bau von vier bis fünf neuen Gaskraftwerken vor, um den Atomstrom zu ersetzen. Derzeit sind aber keine Investoren in Sicht, weil sich der Betrieb eines Gaskraftwerks unter den derzeitigen Bedingungen nicht lohnt. Ein Netzwerk kleiner Biogasanlagen könnte nach Brunners Einschätzung zum Teil Abhilfe schaffen. "Damit könnten wir vielleicht 40 Prozent dessen ersetzen, was wir an Großkraftwerken brauchen."

Brunner schlägt deswegen vor, staatliche Subventionen in den Ausbau der Biogasproduktion umzuleiten: Auch große Gaskraftwerke arbeiteten nicht von Haus aus wirtschaftlich, wenn sie nur zu bestimmten Zeiten in Betrieb seien. "Wenn ein solches Kraftwerk nicht 8000 Stunden im Jahr läuft, sondern nur 2000 Stunden, sagen die Unternehmen zu Recht: Das können wir wirtschaftlich nicht darstellen." Daher müsse der Staat die Rahmenbedingungen entsprechend gestalten.

"Dabei stellt sich aus meiner Sicht aber die Frage, ob wir dieses Geld nicht besser Tausenden von Landwirten zur Verfügung stellen als Großkonzernen. Damit könnten wir zu einer Verbesserung der Wertschöpfungskette im ganzen Land beitragen. Die Landwirte könnten sich ein zusätzliches Standbein aufbauen und die Energieversorgung würde dezentraler laufen", sagte Brunner. "So könnte aus einem Bayern-Plan ein Bayern-Weg werden. Das wäre sicher nicht die Patentlösung, aber für ein Land wie Bayern mit einer landwirtschaftlichen Nutzfläche von 3,2 Millionen Hektar ein interessanter Ansatz."

Brunner betonte aber, dass der Ausbau der Biogasproduktion nicht über die Köpfe der Bevölkerung hinweg forciert werden solle. "Wir wollen das aber nicht der Bevölkerung überstülpen. Deswegen beschäftigt sich eine unserer Arbeitsgruppe mit der Frage, wie wir die Akzeptanz vergrößern können." Seinen endgültigen Bericht will Brunner noch in diesem Jahr vorlegen.