Nach der Entdeckung von mit Antibiotikum verunreinigtem Futtermittel sind nach Angaben der Molkerei Ehrmann weiterhin 25 Schweinemastbetriebe in Süddeutschland gesperrt. "Wir gehen aber davon aus, dass nächste Woche einige Höfe ihren Betrieb wieder aufnehmen können", sagte Unternehmenssprecher Gunther Wanner am Sonntag in Oberschönegg (Landkreis Unterallgäu) der Nachrichtenagentur dpa. Das Medikament war durch Produktionsrückstände von Ehrmann in die Futtertröge der Höfe gelangt.

Zunächst wurden 26 Mastbetriebe im Allgäu und im Raum Ulm gesperrt, nachdem das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) im Urin einiger Schweine das verbotene Antibiotikum Chloramphenicol festgestellt hatte. Ein Betrieb wurde bereits am Freitag wieder freigegeben, wie das LGL mitteilte. Am Wochenende hatte es zunächst unterschiedliche Angaben über die Gesamtzahl der gesperrten Höfe gegeben.

Eine Fehleranalyse bei Ehrmann habe ergeben, dass menschliches Versagen der Grund für die Verunreinigung war, sagte der Sprecher. Die verantwortliche Mitarbeiterin der Qualitätssicherung sei beurlaubt worden. Derzeit lägen weder gegen das Unternehmen noch gegen Mitarbeiter Anzeigen oder Strafanzeigen vor. Nach LGL-Angaben ist die Staatsanwaltschaft Memmingen eingeschaltet worden.

Das Arzneimittel darf dem LGL zufolge Schlachttieren seit 1994 nicht mehr verabreicht werden. Entdeckt wurden die Rückstände bei Routinekontrollen in den Mastbetrieben. Das Antibiotikum war als Hilfsmittel in den Ehrmann-Laboren zur Beschleunigung mikrobiologischer Untersuchungen eingesetzt worden.

"Als Ursache für die Kontamination wurden Laborabfälle des Molkereibetriebes ermittelt, die unsachgemäß entsorgt worden sind", teilte das Landesamt mit. Wegen eines Fehlers sei das Antibiotikum in das sogenannte Weißwasser gelangt. Weißwasser, das bei der Produktion in der Molkerei anfällt und noch Milchbestandteile enthält, werde von einigen Betrieben aus dem Umland kostenfrei abgeholt und vor allem bei Schweinen dem Futter beigegeben.

Molkereiprodukte von Ehrmann seien nicht betroffen, da die Prozesse in der Molkerei getrennt ablaufen. Verbraucher seien daher nicht gefährdet. Das LGL kontrolliert nach eigenen Angaben jährlich etwa 36 500 Proben auf verschiedene Arzneimittelrückstände.

Ehrmann werde Chloramphenicol künftig nicht mehr verwenden, teilte der Unternehmenssprecher mit. Das Unternehmen stehe in enger Verbindung mit den Behörden und den betroffenen Landwirten. In einigen Mastbetrieben dauerten die Untersuchungen noch an, meinte der Sprecher.

Der Einsatz von Arzneimitteln bei Schlachttieren ist umstritten. Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) hat erst kürzlich einen neuen Gesetzentwurf zur Eindämmung des Antibiotika-Einsatzes in der Tiermast vorgelegt. Über den Verzehr von belasteten Lebensmitteln können Menschen resistent gegen Antibiotika werden, so dass Medikamente bei Krankheiten nicht mehr wirken. dpa