Er grinst, fast den ganzen Tag grinst er, wie schon an früheren Prozesstagen. Der Mann auf der Anklagebank soll seine kleinen Nichten aus Habgier umgebracht haben. Am Donnerstag hört er die Aussagen von Familienangehörigen; unter anderem sind seine Schwiegermutter, ein Großonkel und seine Frau als Zeugen geladen.

Je breiter er grinst, desto weniger ist er offenbar einverstanden mit dem, was die anderen sagen. Als seine Schwiegermutter - Großmutter der ermordeten Mädchen - schildert, wie wenig sie ihn ausstehen kann und wie er sich in der Familie benommen haben soll, lehnt er sich zur Seite und schüttelt, weiter grinsend, den Kopf.

Die Anklage wirft dem 51-Jährigen vor, er habe in der Nacht zum 24. März 2011 nicht nur die beiden Mädchen blutig ermordet, sondern auch den Mord an ihrer Mutter geplant. Dann nämlich hätte seine Ehefrau als deren Schwester geerbt. So sieht es die Anklage, und so bestätigt es nun vor Gericht ein Großonkel der Kinder, der sich um das Vermögen der Familie kümmerte.

Als seine Ehefrau, für deren Erbe er laut Anklage drei Morde geplant haben soll, den Saal betritt, grinst der Angeklagte nicht. Starr schaut er zu ihr hinüber, sie schenkt ihm keinen Blick. Die schlanke 45-Jährige mit den langen braunen Haaren ist nur wenige Minuten im Zeugenstand: Sie verweigert die Aussage. Sie hat von ihm vier Kinder, nun hat sie die Scheidung eingereicht. Im vergangenen Jahr sagte die gelernte Erzieherin dem Magazin "Stern": "Für mich gibt es keinen Zweifel, dass er es war." Für das Interview habe sie Geld bekommen, sagt der Großonkel. Er sei gegen die Veröffentlichung gewesen, sie habe aber argumentiert, sie brauche das Geld. Es soll ein beträchtliche Summe gewesen sein.

Die sechsköpfige Familie war offenbar schon lange knapp bei Kasse. Der Angeklagte arbeitete als Postbote, seine Frau, die schließlich an Krebs erkrankte, kümmerte sich um die Kinder. Einer der Söhne war schwer leberkrank, brauchte eine Transplantation. Vor allem aber sollen Hauskäufe die Familie in Geldnot gebracht haben.

Verwandte wurden um Geld oder um Auszahlung von Erbteilen gebeten, wie Großmutter, Großonkel und die Witwe des Großvaters berichteten. "Um zu helfen" und die Frau des Angeklagten auszuzahlen, habe er eine Wohnung abgekauft und dafür selbst Geld aufgenommen, sagt der Großonkel. Er habe aber nicht gewusst, dass es so schlimm stand. "Dann hätten wir versucht, irgendetwas locker zu machen." Schon ein früherer Erbstreit zerrüttete das Verhältnis in der Familie.

Am Ende standen Zwist und Streit. Die Witwe des Großvaters brach den Kontakt ab, ebenso die leibliche Großmutter der Kinder. Ihr Schwiegersohn habe nicht akzeptiert, dass sie sich um seine Kinder und seine krebskranke Frau kümmerte, sagt die 70-Jährige. Einmal habe er sie aus der Wohnung geworfen, immer wieder habe es Ärger gegeben. "Er hat ein Mordstheater gemacht, weil die Familie einen Nachmittag bei mir verbringen wollte." 2009 habe sie den Kontakt abgebrochen. "Da hab' ich Schluss gemacht."

Standhaft steht die Kosmetikerin mit dem langen weißen Zopf die Vernehmung durch, gibt mit fester Stimme Auskunft. An einem Punkt aber ringt sie um Worte: bei der Frage nach der anderen Tochter, der Mutter der ermordeten Kinder. Sie sagt nur einen Satz: "Es geht ihr sehr, sehr schlecht."