Bei einer Kreuzwegprozession an der Copacabana rief der Pontifex die Pilger auf, mit dem christlichen Kreuz den Übeln und dem Leiden der heutigen Zeit zu begegnen.

In einer Messe am Samstagmorgen verlangte er von seiner Kirche den Mut, «gegen den Strom zu schwimmen» in einer Zeit, die von modernen Dogmen wie Effizienz und Pragmatismus geprägt sei.

In seiner Predigt in der Kathedrale von Rio appellierte Franziskus an Bischöfe, Priester, Ordensleute und Seminaristen, «fast obsessiv» Diener der Gemeinschaft und einer Kultur der Begegnung zu sein und sich damit gegen Aussonderung zu stemmen. Alle sollten missionarische Jünger Jesu sein: «Wir können nicht eingeschlossen bleiben in der Pfarrei, in unseren Gemeinschaften, wenn so viele Menschen auf das Evangelium warten.» Anfangen müsse man an der Peripherie, bei denen, die am weitesten entfernt seien. In den Armensiedlungen solle man so Christus suchen und ihm dienen.

«Durch das Kreuz verbindet sich Jesus mit den vielen jungen Menschen, die ihr Vertrauen in die politischen Institutionen verloren haben, weil sie Egoismus und Korruption sehen», hatte er nach der Kreuzwegprozession gesagt. Dann gebe es noch jene, «die ihren Glauben an die Kirche oder sogar an Gott verloren haben wegen der Unlauterkeit von Christen und von Dienern des Evangeliums», fügte er ein Stück katholische Selbstkritik hinzu.

Anschließend kam es am Freitagabend zu Protesten, die sich gegen die Regionalregierung, aber auch gegen die Verwendung von Staatsmitteln zur Finanzierung des weltgrößten Katholikentreffens richteten. Am Samstag wollten sich der Papst und die jungen Pilger erneut am Strand treffen, zu der traditionellen Nachtwache (Vigil).

Den Kreuzweg nannte Franziskus einen der «starken Momente» des Weltjugendtages. Die Stationen waren auf Rios Strandpromenade aufgebaut, wo Darsteller die Geschichte des Leidensweges Jesu von der Verurteilung über die Kreuzigung bis zur Grablegung erzählten. Jugendliche trugen das große Pilgerkreuz und wurden von Messdienern und einer Ehrengarde begleitet. Der Papst verfolgte die Prozession zusammen mit den Pilgern von einer riesigen Bühne am Strand aus.

Kurz nachdem er die Copacabana verlassen hatte, gelang es mehreren Hundert Demonstranten, in die Nähe der Weltjugendtags-Bühne zu gelangen, wo sie von der Polizei isoliert wurden. Viele Pilger verließen daraufhin aufgeschreckt die Veranstaltung. Teilnehmer des Katholikentreffens buhten eine Gruppe von Atheisten aus. Demonstranten hielten Plakate, auf denen stand: «Mein Name ist Jesus und ich bin gekommen, um Euch zu sagen, dass Gott nicht existiert.»

Franziskus bleibt noch bis Sonntag in Rio. Dort schien am Freitag erstmals seit drei Tagen wieder die Sonne, am Samstag regnete es wieder. Die Veranstalter hatten wegen des tagelangen Dauerregens beschlossen, die am Sonntag geplante große Abschlussmesse des Weltjugendtages von Guaratiba im Westen Rios an die Copacabana zu verlegen. Das in Guaratiba vorbereitete «Campus Fidei» (Feld des Glaubens) war durch den Regen völlig aufgeweicht.

Die Stadtverwaltung der Sechs-Millionen-Metropole Rio griff auf «Plan B» zurück und sperrte auf mehreren Kilometern Straßen entlang des Strandes, damit die erwarteten Hunderttausenden Menschen einen Pilgerweg bis zur Hauptbühne an der Copacabana zurücklegen können. «Der Besuch des Papstes ist eine Ehre und eine Freude», sagte Rios Bürgermeister Eduardo Paes mit Blick auf die kurzfristige Änderung. «Wir werden das nicht zu einem Problem für die Stadt machen.»

Das Kirchenoberhaupt war am vergangenen Montag auf seiner ersten Auslandsreise in Brasilien angekommen. Nach der Abschlussmesse fliegt der Papst am Sonntagabend (Ortszeit) von Rio zurück nach Rom.