«16 Millionen Menschen sind weiter von chronischer Ernährungsunsicherheit, einer hohen Mangelernährungsrate und tiefwurzelnden wirtschaftlichen Problemen betroffen», sagte der zuständige UN-Landeskoordinator Jerome Sauvage in Peking. Wegen der unzureichenden medizinischen Versorgung und Ausrüstung könnten Grundbedürfnisse der Menschen nicht erfüllt werden.

Gefährdete Bevölkerungsgruppen seien vor allem Kleinkinder, schwangere Frauen, stillende Mütter und Senioren, schreiben die in dem ostasiatischen Land arbeitenden UN-Organisationen. Demnach leidet fast ein Drittel der zwei Millionen Kinder unter fünf Jahren an chronischer Mangelernährung, die zu einer langsameren Entwicklung führt. Durchfall und Lungenentzündungen seien die Hauptursachen für den Tod der Kinder unter fünf Jahren. Vor allem der fehlende Zugang zu Leitungswasser und schlechte sanitäre Einrichtungen führten häufig zu Durchfallerkrankungen.

Sauvage sprach von einer «langwierigen Krise». Die Anstrengungen der UN seien deshalb darauf gerichtet, die Lage durch nachhaltige humanitäre Hilfe zu lindern, um kurz- und mittelfristige Bedürfnisse der Menschen zu erfüllen. Das Hilfsprogramm für Nordkorea sei jedoch nach wie vor «ernsthaft unterfinanziert», beklagte Sauvage.

Die Weltorganisation appellierte an die internationale Gemeinschaft, in diesem Jahr zusätzlich 198 Millionen Dollar (etwa 158,5 Millionen Euro) bereitzustellen, um auf «wichtige humanitäre Prioritäten» zu reagieren. Im Vorjahr hatten die Vereinten Nationen um Spenden in Höhe von 218 Millionen Dollar gebeten. Allerdings ging nur etwas mehr als ein Drittel ein. «Die Bereitstellung der Hilfe muss auf humanitären Prinzipien gründen: Humanität, Neutralität, Unparteilichkeit, und nicht abhängig von politischen Entwicklungen», forderte Sauvage.

Nordkorea ist weltweit einer der Staaten, die sich am stärksten vom Ausland isolieren. Das Regime liegt mit der internationalen Gemeinschaft im Streit um seine Atomwaffen- und Raketenprogramme. Nach einer Reihe von Naturkatastrophen und aufgrund der eigenen Misswirtschaft ist das Land seit vielen Jahren auf Nahrungshilfe von außen angewiesen. In den 90er Jahren hatte eine Hungersnot Hunderttausende Nordkoreaner das Leben gekostet.