An der Zentrale des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB in Moskau hat ein Unbekannter mit einer Kalaschnikow-Maschinenpistole auf Menschen geschossen.

Der FSB bestätigte der Agentur Interfax zufolge den Vorfall, bei dem ein Mitarbeiter getötet worden sei. Der Täter sei unmittelbar nach dem Angriff getötet worden, teilte das staatliche Ermittlungskomitee mit. Seine Identität werde noch ermittelt.

Die Ermittler in Moskau leiteten ein Strafverfahren wegen Angriffs auf Angehörige der Sicherheitsorgane ein. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte der Staatsagentur Tass, dass Präsident Wladimir Putin über den Vorfall informiert worden sei. Putin war demnach bei einem Konzert im Kreml, um den Tag des Mitarbeiters der staatlichen Sicherheitsorgane zu feiern. Dabei lobte er, dass seit Jahresbeginn 33 Terroranschläge in Russland verhindert worden seien.

Nach Darstellung russischer Staatsmedien begann der Angriff um 18.10 Uhr Ortszeit (16.10 Uhr MEZ). Nach Angaben des Ermittlungskomitees eröffnete der Angreifer das Feuer auf die Sicherheitskräfte. Dabei seien zusätzlich fünf Menschen verletzt worden, darunter auch ein Zivilist. Einem Bericht des Staatssenders RT zufolge fielen die Schüsse im Empfangsbereich des FSB. Dort war von drei Angreifern die Rede, zwei sollen bei einem Schusswechsel mit dem Wachdienst getötet worden sein. Der dritte mutmaßliche Täter konnte demnach zunächst flüchten. Es seien dann weitere Schüsse gefallen, hieß es. Dabei sei ein Verkehrspolizist getötet worden. Bestätigt sind diese Angaben aber nicht.

Zuvor hatte Putin bei einer großen Pressekonferenz in Moskau gesagt, dass die Terroranschläge der Vergangenheit zu seinen schlimmsten Erinnerungen zählten - seit er vor 20 Jahren an die Macht kam. Dabei bemerkte er, dass die meisten Terroristen in anderen Ländern aktiv seien. «Wir sehen doch, dass diese Menschen, Terroristen, Mörder ganz frei in den europäischen Hauptstädten herumlaufen.»

Der mutmaßliche dritte Angreifer soll sich nach der Attacke in ein Gebäude geflüchtet und von dort aus weitere Schüsse abgegeben haben. Er wurde bei einem Schusswechsel gegen 19.15 Uhr Ortszeit getötet, wie RT berichtete. Der FSB bestand zunächst darauf, dass es sich um einen Einzeltäter gehandelt habe. Der Nationale Wach- und Sicherheitsdienst, der das FSB-Gebäude bewacht, teilte zudem mit, dass niemand in die Geheimdienstzentrale eingedrungen sei.

Im Radiosender Echo Moskwy war von Schreien und Schüssen am Lubjanka-Platz die Rede. Dort steht die Geheimdienstzentrale, in der Nähe befinden sich auch Einkaufszentren, Clubs und Bars. Augenzeugen berichteten, dass sie sich unmittelbar nach den Schüssen in den Lokalen unter Tischen verschanzten und die Mitarbeiter die Türen als Sicherheitsvorkehrung verschlossen hätten. Erst wenige Stunden später hätten sie die Bar verlassen können.

Auf Videos in sozialen Netzwerken war aus unterschiedlichen Perspektiven zu sehen, wie Menschen in Panik rennend die Flucht ergriffen. Die Straßen in der Nähe des FSB-Gebäudes seien kurzzeitig gesperrt worden, hieß es. Zudem sollen alle Zugänge zu der Zentrale verriegelt worden sein. Die Polizei habe die Passanten aufgerufen, das Gebiet so schnell wie möglich zu verlassen.

Die Polizei soll auch Stunden nach den Schüssen nach weiteren Verdächtigen gesucht haben, berichtete die Zeitung «RBK». Die Sicherheitskräfte hätten alle Hinterhöfe und nahe gelegene Gebäude durchsucht und verdächtige Passanten durchsucht. Am Tatort sei auch ein herrenloser Rucksack gefunden worden, berichtete die Zeitung «Moskowski Komsomolez». Darin befinde sich möglicherweise Munition. Die Polizei versuchte demnach, mit einem Roboter den Rucksack zu zerstören.

Immer wieder kommt es in Russland zu Terroranschlägen. Vielfach sind auch die Sicherheitsbehörden und auch der Geheimdienst Ziele der Angreifer. Im Oktober 2018 hatte sich ein junger Mann beim FSB in der Hafenstadt Archangelsk im Norden des Landes in die Luft gesprengt. Die Behörden stuften die Tat als Terrorakt ein. Der 17-Jährige habe einen gebastelten Sprengsatz aus einer Tasche geholt, der kurze Zeit später in seinen Händen explodiert sei, teilte das Nationale Anti-Terror-Komitee Russlands damals mit. Dabei seien drei FSB-Beamte verletzt worden.

Zuvor hatte es im April 2017 einen Angriff auf ein Büro des FSB in Ostsibirien gegeben. Ein Bewaffneter erschoss zwei Menschen und wurde anschließend getötet. Die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) hatte die Tat für sich reklamiert.