Sieg der Ukraine? Mit schnellen und flexiblen Schlägen haben ukrainische Soldaten die russische Offensive verlangsamt und stellenweise gar in den Rückwärtsgang gezwungen. Das hatten auch viele westliche Militärexperten kaum erwartet und überschlagen sich nun vor Bewunderung. Fest steht: Der russische Präsident Wladimir Putin hat sich mit seinem Angriffskrieg gründlich verrechnet.

Nato-General Ramms meint in der Sendung "Hart aber fair" am Montagabend (25.04.2022): "Der Krieg wird wahrscheinlich nicht schnell zu Ende gehen. Ich erwarte, dass die Ukrainer ihr Land erfolgreich verteidigen werden. Es gibt etliche Anzeichen, auch jetzt nach der neuen Offensive, dass ihnen das gelingen wird."

Militärexperten geben Einschätzung über Ukraine-Krieg: Putin habe sich verrechnet

Seine Analyse: "Ich gehe davon aus, dass es den Ukrainern gelingt, auch im Osten, vielleicht dann auch im Süden entsprechende Geländebereiche zu halten oder sogar zurückzuerobern“, meint er.

Nehme man die Versorgung der russischen Soldaten mit Treibstoff und Lebensmitteln zum Maßstab, müsse Putin an einen Sieg binnen vier Tagen geglaubt haben, sagte auch ein westlicher Regierungsvertreter in Berlin. Stattdessen habe sich die Kolonne der Angreifer - wegen Spritmangels, mechanischer Ausfälle und ukrainischer Angriffe - auf bis zu 70 Kilometer gestaut.

Dazu sei ein Vertrauensverlust russischer Soldaten gekommen, von denen einige erst beim Überqueren der Grenze verstanden hätten, dass dies keine Übung mehr sei. Westliche Nachrichtendienste werten die Vielzahl von Fotos und Videos mit zerstörten russischen Panzern genau aus. Als wahrscheinlich gilt auch, dass mindestens drei ranghohe russische Kommandeure getötet wurden, als sie versuchten, den stockenden Vormarsch wieder voranzubringen. Mit der Lieferung von leichten, schultergestützten Waffen unterstützen Nato-Staaten - inzwischen auch Deutschland - die Taktik der Ukraine. 1000 moderne Panzerfäuste und 500 Stinger-Flugabwehrraketen wurden aus Berlin geliefert. Sie zwingen russisches Fluggerät in Höhen von teils über 3000 Metern. Wodurch die Treffgenauigkeit sinkt.

Ex-Nato-General Domröse: Putin habe nicht mit dem Widerstand der ukrainischen Bevölkerung gerechnet

Putin lässt es nun verstärkt mit der Brechstange versuchen. Wo er keinen militärischen Erfolg habe, lasse er umso brutaler dazwischen schlagen, sagte der ehemalige Nato-General Hans-Lothar Domröse der Deutschen Presse-Agentur. "Die erhofften Bilder, winkende Frauen mit Blumensträußen und strahlende Kinder, die waren ja nicht da. Er hat wahrscheinlich nicht mit diesem heldenhaften Widerstand der ukrainischen Bevölkerung, angeführt von diesem vorbildlichen Präsidenten Selenskyj gerechnet."

Die Ukrainer kämpften schon jetzt partisanenartig und bereiteten damit der russischen Militärmacht Probleme. "Das ist ein Partisanenkrieg der allergrößten Art. Das ist ein Afghanistan 2.0, was er erlebt. Die ergeben sich nicht, ganz offensichtlich - und das ist wohl auch richtig", meinte Domröse. "Das ist ein Fass ohne Boden. Das ist kein easy win für ihn. Das wird fürchterlich."

Die Ukraine könne den Krieg moralisch gewinnen, sagte Domröse dazu. Putin könne ihn technisch-taktisch gewinnen. Er werde die Ukraine im schlimmsten Fall zerschlagen und die Bevölkerung als Geisel nehmen. Domröse riet dazu, in der Frage von Waffenlieferungen an die Ukraine die Vereinten Nationen einzubinden, wo möglich, und nicht nur in Kategorien der Nato zu denken. "Man muss die Völkergemeinschaft aufrufen und aufrütteln." Aber: "Erste Priorität muss nun humanitäre Hilfe haben. Bis hin zum Butterbrot. Alles was den Menschen hilft", sagte der Generalleutnant a.D. "Jedem Menschen, den Babys, den Müttern, den Vätern. Menschlichkeit."

Aber: Domröse über militärischen Sieg der Ukraine skeptisch

Was die Möglichkeit eines militärischen Sieges der Ukraine angeht, war Domröse aber überaus skeptisch. Ein anderer, noch aktiver ranghoher Offizier meinte, ein Sieg käme einer Art Wunder gleich. Allerdings könne die Ukraine den Vormarsch erheblich verzögern, während um die Welt die Bilder von Toten und Verletzen gehen, auch unter den russischen Soldaten. 

Putins Entscheidung, schon nach wenigen Tagen die "Karte nuklearer Bedrohung" zu ziehen, zeige dessen "wachsende Verzweiflung", schrieb Efraim Halevy, früherer Chef des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad, in der Tagezeitung "Haaretz". Er machte Mangel an Erfahrung und Motivation bei den einfachen russischen Soldaten aus. Russland sei international isoliert, Putin Prestige schwer beschädigt - international und auch in der Heimat. Die USA stünden vor der Herausforderung, wie der Ukraine geholfen werden, gleichzeitig aber Putin ein ehrenhafter Ausweg aus der Lage geboten werden könne.

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mit dpa