Schulterschluss für Europa: Die frisch gewählte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron haben ungewöhnlich deutlich Übereinstimmung signalisiert.

«Wir arbeiten für ein Europa, das stark ist, das geschlossen ist(...)», sagte von der Leyen am Dienstag vor dem Pariser Élyséepalast. Macron sprach überschwänglich von einem «neuen Kapitel unserer Geschichte» und lobte von der Leyens Zusagen für ein klimaneutrales, soziales und geeintes Europa. Von der Leyen sei die erste Frau an der Spitze der EU-Kommission: «Sie verkörpern dieses neue Europa.» Paris sei an von der Leyens Seite.

Der 41-Jährige hatte sich im Kreis der EU-Staats- und Regierungschefs für die bisherige deutsche Verteidigungsministerin und CDU-Politikerin stark gemacht. Von der Leyen war dann vor einer Woche im Straßburger EU-Parlament gewählt worden. Sie kann damit zum 1. November dem Luxemburger Jean-Claude Juncker an der Spitze der Kommission folgen. Macron sprach von der Leyen bereits als «Madame la Présidente» («Frau Präsidentin») an.

«Ich möchten Ihnen gerne danken für die Unterstützung, die Sie mir in den vergangenen Tagen und Wochen gegeben haben», sagte von der Leyen. Im EU-Postenpoker hatte Macron hatte den von Kanzlerin Angela Merkel lange unterstützten CSU-Politiker Manfred Weber strikt zurückgewiesen - unter anderem wegen mangelnder Erfahrung.

Von der Leyen wird in Frankreich unter anderem wegen ihrer guten Französisch-Kenntnisse geschätzt. Erst im Juni hatte die sie - damals noch als Verteidigungsministerin - auf der Pariser Luftfahrtmesse mit Frankreich und Spanien das Milliardenprojekt eines gemeinsamen Kampfjets besiegelt - Macron stand damals Pate für das Projekt.

Laut französischen Medienberichten sollte bei dem Treffen im Präsidialamt auch die Frage des künftigen französischen Kommissars zur Sprache kommen. Bisher gibt es noch keine Anwärterin oder keinen Anwärter. Bisher vertritt der Sozialist Pierre Moscovici Frankreich in der Kommission.