Am Montag beschloss der sogenannte Lenkungsausschuss, dem die Mehrheit der EU-Staaten sowie die USA und die Türkei angehören, in Pristina, die internationale Aufsicht über den jüngsten Staat Europas zu beenden. Das Ausland begrüßte die neue uneingeschränkte Souveränität und verlangte, die von Albanern kontrollierte Kosovo-Regierung müsse den Ausgleich mit der serbischen Minderheit im Land anstreben. Die sieht ihre Zukunft im Kosovo bedroht und will weiter zu Serbien gehören.

«Der Internationale Lenkungsausschuss erklärt heute das Ende der Überwachung von Kosovos Unabhängigkeit und das Ende des Mandats des Internationalen Vertreters», heißt es in dem einstimmigen Beschluss: «Von sofort an ist die Verfassung nun die einzige Basis für den gesetzlichen Rahmen des Landes.» Kosovo-Regierungschef Hashim Thaci beschrieb den Schritt in die volle Unabhängigkeit als historisch und Verdienst für den demokratischen Aufbau des Staates.

Dagegen zeigten sich die Serben geschockt. «Unsere Zukunft hier steht unter einem großen Fragezeichen», sagte die serbische Spitzenpolitikerin Rada Trajkovic. Die Albaner verfolgten «einen latenten Faschismus gegen die Serben». Serbiens Regierungschef Ivica Dacic unterstrich noch einmal, die frühere serbische Provinz könne gegen den Willen Belgrads niemals unabhängig werden. Serbien versperrt dem Kosovo jeden Zutritt zu internationalen Organisationen.

Nach Darstellung von Thaci gehe es jetzt darum, den Norden des Landes mit seiner serbischen Bevölkerung in den Staat zu integrieren. In Nordkosovo, wo die Kosovo-Regierung bisher nichts zu sagen hat, müsse «Recht und Gesetz wiederhergestellt werden». «Wir werden an der Normalisierung der Beziehungen mit Serbien arbeiten», versprach der Regierungschef weiter. Der jetzt abziehende internationale Kosovo-Beauftragte, Pieter Feith, sagte, die volle Unabhängigkeit Kosovos sei «ein weiterer Schritt im europäischen Integrationsprozess».

Die internationale Schutztruppe KFOR sperrte in Nordkosovo alle illegalen Wege über die grüne Grenze, weil die Serben dort seit einem Jahr unkontrolliert ihren Warenverkehr abwickelten. Damit können die Serben in dieser Region nur noch die offiziellen Grenzübergänge Brnjak und Jarinje nutzen. Diese boykottieren sie jedoch seit über einem Jahr. Sie wollen nicht hinnehmen, dass dort auch Zöllner und Grenzpolizisten der Kosovo-Regierung Dienst tun. Die 35 000 in Nordkosovo lebenden Serben wollen sich nicht Pristina unterstellen, sondern weiter zu Serbien gehören.

Die Bundesregierung und Bundesaußenminister Guido Westerwelle begrüßten die Entlassung des Kosovos in die volle Eigenständigkeit. «Kosovo hat wesentliche demokratische Anforderungen erfüllt und Fortschritte beim Schutz der Minderheitenrechte gemacht», sagte Westerwelle am Montag in Berlin: «Priorität bleibt der weitere Annäherungsprozess an die EU und eine Normalisierung der Beziehungen zwischen Serbien und Kosovo, einschließlich einer nachhaltigen Stabilisierung der Lage in Nordkosovo».