Im baltischen EU- und Nato-Land Litauen gehen zwei Ökonomen in ein Abstimmungsduell um das Präsidentenamt. Die ehemalige Finanzministerin Ingrida Simonyte und der Wirtschaftsexperte Gitanas Nauseda lieferten sich ein enges Rennen.

Die absolute Mehrheit konnte aber keiner der beiden Kandidaten erzielten. Wer künftig das höchste Staatsamt in dem Ostseestaat bekleidet, entscheidet sich nun in einer Stichwahl. Gewählt wird am 26. Mai - parallel zur Europawahl.

Nach vorläufigen Angaben der staatlichen Wahlkommission in Vilnius erhielt Simonyte 31,13 Prozent der Stimmen - und zog damit auf der Zielgeraden noch an dem lange vorn liegenden Nauseda vorbei. Der 54-jährige Polit-Neuling kam auf 30,95 Prozent und lag nur 2647 Stimmen hinter seiner zehn Jahre jüngeren Konkurrentin. Die beiden wurden damit ihrer Favoritenrolle aus Umfragen vor der Wahl gerecht.

Regierungschef Saulius Skvernelis scheiterte dagegen mit dem Versuch, sein derzeitiges Amt gegen das des Präsidenten einzutauschen. Mit 19,72 Prozent kam er nur auf Rang drei - und zog Konsequenzen aus der Niederlage. Der seit Dezember 2016 regierende parteilose Politiker kündigte in der Wahlnacht für Juli seinen Rücktritt an.

In der Stichwahl hofft die von der konservativen Oppositionspartei nominierte Simonyte auf Unterstützung aus dem Lager der unterlegenen Bewerber. Dazu kündigte sie Gespräche in mehrere Richtungen an. «Ich werde versuchen, mit allen gemäßigten politischen Kräften zu sprechen», sagte sie am Montag und versprach einen Wahlkampf ohne Populismus. Darin wolle sie sich für die Verringerung der sozialen Ungleichheit im dem Euro-Land einsetzen.

Nauseda bewertete das Ergebnis als «großartig» und Bestätigung seiner im Wahlkampf versprochenen Ziele - den Aufbau eines «Wohlfahrtsstaat» und «mehr politischen Frieden». Kommentatoren und Politologen sehen den unabhängigen Wirtschaftswissenschaftler bei der Stichwahl in der besseren Ausgangsposition, weil er eine breite Wählerbasis anspreche. Vieles hänge aber vom Wahlkampf und der Wahlbeteiligung ab.

Amtsinhaberin Dalia Grybauskaite, die verfassungsgemäß nach zwei fünfjährigen Amtszeiten nicht noch einmal antreten durfte, äußerte sich nicht zu ihren möglichen Nachfolgern. In einer Mitteilung würdigte sie die «Reife der litauischen Gesellschaft». Die steigende Wahlbeteiligung zeige, dass sich immer mehr Bürger ihrer Verantwortung für die Zukunft des Staates bewusst seien.

Insgesamt hatten sich neun Kandidaten um die Nachfolge von der in der Bevölkerung beliebten Grybauskaite beworben. Wahlberechtigt waren knapp 2,5 Millionen Menschen. Die Beteiligung lag den Angaben zufolge bei 56,9 Prozent - und damit höher als bei der Präsidentenwahl 2014.