«Für diese Regierung gibt es keine Alibis mehr: Wenn wir es schaffen, haben wir unsere Pflicht getan, wenn nicht, wird es nur unsere Schuld sein. Das ist kein Zeichen von Mut sondern von Verantwortung», sagte der 39-Jährige in seiner Ansprache nach der Debatte im Parlament. Am Abend sollen die 630 Abgeordneten in Rom über Renzis Koalition abstimmen. Bekommt der Regierungschef das Vertrauen, kann er mit der Umsetzung seiner versprochenen und dringend notwendigen Reformen beginnen.

Es wird erwartet, dass Renzi das Votum dank der klaren Mehrheit seiner Koalition ohne Probleme übersteht. «Ok im Senat, jetzt das Abgeordnetenhaus. Dann beginnen wir ernsthaft zu arbeiten», schrieb Renzi auf Twitter. Er betonte in seiner Rede erneut seinen Willen zu radikalen Reformen und einem Wandel. Zudem kündigte er an, dass seine erste Auslandsreise als Regierungschef kommende Woche nicht nach Berlin oder Brüssel, sondern nach Tunesien führen werde, um die Wichtigkeit des Mittelmeerraums zu unterstreichen.

Am späten Montagabend hatte Renzi bereits das Vertrauen des Senats erhalten. 169 Parlamentarier stimmten mit Ja, 139 mit Nein. Zuvor hatte der Sozialdemokrat in seiner Regierungserklärung noch einmal seine Reformpläne unterstrichen. Renzi will zudem aufs Tempo drücken und schon innerhalb der kommenden Monate erste Erfolge erzielen - seine ersten Schritte werden daher mit Spannung verfolgt.

EU-Währungskommissar Olli Rehn sagte, er sei «zuversichtlich, dass die neue Regierung in Italien die eingegangenen Verpflichtungen respektiert.» Er freue sich auf die Zusammenarbeit, der neue Wirtschaftsminister Pier Carlo Padoan «weiß sicherlich, was in Italien getan werden muss, um das Wachstum anzukurbeln».

Renzi betonte in seiner Ansprache vor den Abgeordneten, Europa sei nicht der Feind Italiens. Die EU-Ratspräsidentschaft für Italien im zweiten Halbjahr sei «eine gigantische Gelegenheit, keine Formalität». Die Schuld für die Probleme Italiens der EU zuzuschieben bedeute «nicht nur das Leugnen der Fakten, sondern auch ein Betrug an der Geschichte dieses Landes, das Europa mit aufgebaut hat».

Der Regierungschef will das hoch verschuldete und in anhaltender Rezession steckende EU-Krisenland Italien grundlegend reformieren. Er plant unter anderem Reformen des Wahlrechts und des Arbeitsmarktes sowie Steuersenkungen. Renzi war als jüngster Regierungschef in der Geschichte Italiens am Samstag mit seinem Kabinett vereidigt worden. Zuvor hatte er seinen Vorgänger Enrico Letta vor knapp zwei Wochen in einem parteiinternen Machtkampf aus dem Amt gedrängt.