Lissabon
Corona-Pandemie

Inzidenz in nur acht Wochen von 900 auf 30 gesunken: So meistert Portugal die dritte Corona-Welle

Portugal hat sich innerhalb von nur acht Wochen vom weltweiten Corona-Sorgenkind zum Pandemie-Musterschüler entwickelt. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hält vor allem eine Corona-Maßnahme, die das Land im äußersten Westen Europas ergriffen hat, für ausschlaggebend.
Corona-Kehrtwende mit hartem Lockdown und strengen Ausgangsbeschränkungen: Nachdem Portugal seine 7-Tage-Inzidenz drastisch senken konnte, ist das beliebte Urlaubsland kein Risikogebiet mehr (im Bild der Strand "Praia do Camilo" in Lagos an der Algarve). Matthias Balk (dpa)
  • Portugal hat seine 7-Tage-Inzidenz von 900 auf unter 30 gedrückt
  • Strenge Corona-Regeln zeigen Wirkung
  • Beliebtes Urlaubsland kein Risikogebiet mehr

In nicht einmal acht Wochen ist es Portugal gelungen, die eskalierte Infektionslage zu kontrollieren und die Mutation B.1.1.7 einzudämmen. Dank harter Corona-Maßnahmen hat das  Land nun nach Island die niedrigste Inzidenz Europas.

Portugal in der Corona-Pandemie: In acht Wochen vom Sorgenkind zum Musterschüler

Die Sieben-Tage-Inzidenz in Portugal liegt momentan unter 30. Das ist einer der niedrigsten Werte in ganz Europa, nachdem das Land mit zehn Millionen Einwohnern Anfang Februar noch 900 Infizierte pro 100.000 Einwohner gemeldet hatte. Damit hatte Portugal bezogen auf die Bevölkerungszahl zeitweilig die höchsten Infektionszahlen weltweit. Wie die Welt berichtet, kam die Kehrtwende mit einem harten Lockdown und strengen Ausgangsbeschränkungen, die von der Polizei teilweise sogar aus Hubschraubern überwacht wurden.

Noch vor zwei Monaten hatte die deutsche Bundeswehr 24 ihrer Sanitäter nach Portugal geschickt. Die Corona-Variante B.1.1.7 hatte sich der Welt zufolge so schnell verbreitet, dass es keine freien Betten auf den Intensivstationen mehr gab. Weitere Ärzte und Pfleger der Bundeswehr unterstützten die Mission.

Vor rund einer Woche  hat die Bundeswehr ihren Einsatz in Abstimmung mit Portugal beendet.

Strenger Lockdown zeigt Wirkung

Der seit dem 13. Januar in Portugal herrschende strenge Lockdown mit Ausgehbeschränkungen und Zwangsschließungen zahlt sich offenbar aus. Die Portugiesen mussten zu Hause bleiben, Touristen durften nicht mehr ins Land, und Menschenansammlungen wurden aufgelöst. Seit Ende Januar dürfen die Menschen ihr Zuhause nur aus triftigem Grund verlassen, beispielsweise für Lebensmitteleinkäufe, Banken- und Arztbesuche.

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Für den Weg zur Arbeit ist eine Bescheinigung des Arbeitgebers notwendig, sportliche Betätigungen ist nur nahe der eigenen Wohnung und mit Maske erlaubt, berichtet die Welt. Weitere Maßnahmen gab es insbesondere an Wochenenden: Der eigene Landkreis durfte in dieser Zeit nicht verlassen werden, um Ausflüge und Besuche zu verhindern. Diese Regelung wurde bis nach Ostern verlängert. Verwandtenbesuche sind nach wie vor nicht möglich, nur der Kontakt mit dem eigenen Hausstand ist seit Januar noch erlaubt.

Der Lockdown beinhaltete zudem auch eine Schließung von sämtlichen nicht relevanten Einrichtungen und Geschäften. Gastronomie-Betriebe durften lange auch kein Essen zum Mitnehmen anbieten, erst seit Mitte März ist diese Regelung gelockert. Nun dürfen Restaurants und Bars bis 18 Uhr geöffnet haben, am Wochenende bis 17 Uhr.

Lauterbach: "Durch einen kurzen harten Lockdown B117 besiegt"

Den Bruch der dritten Welle verdanke das Land alleine diesem strikten Lockdown, so die Welt. Die Impfkampagne verlaufe dort ähnlich schleppend wie in Deutschland, bislang seien nur etwa 4,6 Prozent der Gesamtbevölkerung vollständig geimpft.

Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (SPD) hält vor allem die konsequenten Ausgangsbeschränkungen für entscheidend. "Portugal hat durch einen kurzen harten Lockdown B117 besiegt und bisher keinen Rückfall", schrieb Lauterbach auf Twitter.

"Ausgangssperren in allen stärker betroffenen Regionen waren ein zentraler Bestandteil", erklärte der SPD-Politiker. 

Kein Risikogebiet für Urlauber mehr

Seit Sonntag (28. März 2021) gilt das bei Deutschen beliebte Urlaubsland nicht mehr als Risikogebiet. Damit entfällt bei der Rückkehr nach Deutschland eine Quarantäne und Testpflicht.

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Für die Touristen gelten dieselben Beschränkungen wie für Einheimische. Eine nächtliche Ausgangssperre gibt es nicht. Alle Gaststätten, Cafés und Bars sollen ab Anfang April schrittweise wieder öffnen dürfen. An Wochenenden und über Ostern darf man aber vorerst nicht im Land herumreisen. In geschlossenen Räumen in der Öffentlichkeit gilt Maskenpflicht, im Freien dann, wenn der Sicherheitsabstand von zwei Metern nicht gewahrt werden kann.

Mit Material von dpa

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