Die Selbstzerfleischung der katholischen Kirche scheint weiterzugehen: Nachdem der ehemalige Papst Benedikt zuletzt durch die Behauptung, die 68er-Bewegung sei schuld am Missbrauch in der katholischen Kirche, für internationale Kontroversen gesorgt hat, greifen nun einige Theologen den jetzigen Papst an.

Konservative katholische Theologen und Kleriker haben demnach Papst Franziskus in einem offenen Brief unter anderem in Fragen der Sexualmoral Ketzerei vorgeworfen und ihn zur Umkehr aufgerufen. Eine Online-Petition zur Unterstützung ihres Anliegens wurde bis zum Samstagmittag von gut 3400 Menschen unterschrieben. Sollte der Papst seinen Standpunkt nicht ändern, müsse er sein Amt aufgeben, fordern die Autoren des Briefes vom 30. April. Kardinäle sind nicht darunter.

In ihrem offenen Brief schreiben die Theologen: "We take this measure as a last resort to respond to the accumulating harm caused by Pope Francis's words and actions over several years, which have given rise to one of the worst crises in the history of the Catholic Church." Der Brief sei demnach der letzte Ausweg - schließlich hätten die Taten und Worte des Papstes in den letzten Jahren zu einer der schlimmsten Krisen in der Geschichte der katholischen Kirche geführt.

Umgang mit Homosexualität in der Kritik

Die Worte und Taten von Papst Franziskus stellen eine weitgehende Ablehnung der katholischen Lehre zu Ehe und Sexualität, zur Sittenlehre sowie zur Gnadenlehre und zur Lehrer zu einer Vergebung der Sünden dar", heißt es in einer veröffentlichten Zusammenfassung des 20 Seiten langen Briefes.

Seit seiner Wahl 2013 ist Papst Franziskus nicht nur mit seinem lockeren Stil den Traditionalisten innerhalb der katholischen Kirche ein Dorn im Auge. Neben seiner Abweichung von einem strengen Protokoll im Umgang mit Gläubigen stört die Konservativen seine Offenheit gegenüber Schwulen und Lesben sowie Geschiedenen und Ungläubigen. In der Kritik steht unter anderem sein apostolisches Schreiben "Amoris Laetitia" von 2016, in dem er das Kommunionsverbot für wiederverheiratete Geschiedene infrage stellt.

In dem offenen Brief wird dem Papst auch vorgeworfen, Schwule und Sexualstraftäter im Klerus zu schützen. Ebenfalls kritisiert wird seine Einstellung zu China, zu Protestanten und Muslimen sowie zu der italienischen früheren Ministerin und EU-Kommissarin Emma Bonino, die als Befürworterin der Abtreibung und der Sterbehilfe gilt. Ähnliche Attacken interner Gegner hat Franziskus bisher weitgehend ignoriert.