Belgrad
Covid-19-Welle

Corona-Hot-Spot Balkan: Warum die Infektionszahlen so rasant steigen

Die Pandemie beschäftigt Europa weiterhin. Im Südosten entwickeln sich dabei neue "Hot-Spots": eine Spurensuche, warum der die Infektionszahlen auf dem Balkan rasant ansteigen.
Auf dem Balkan traten in den vergangenen Tagen zahlreiche Corona-Lockerungen in Kraft. Symbolfoto: unsplash.com/ Adam Niescoruk

Auf dem Balkan bahnt sich eine Corona-Welle an. Die Infektionszahlen im Südosten Europas schnellen derzeit in die Höhe. Nicht zuletzt, seitdem dem die Sommersaison begonnen hat, hoffen einige Staaten auf einen Touristenzustrom, der frisches Geld in die gebeutelten Kassen spielen soll. Doch nun könnten die neuesten Entwicklungen viele Reisende abschrecken. 

Das "Auswärtige Amt" schätzt die Lage in Staaten, wie Serbien, Bulgarien und Kroatien moderat ein. Dennoch wird weiterhin vor "nicht notwendigen, touristischen Reisen ins Ausland" gewarnt. Einen Schritt weiter ging vor einigen Tagen die österreichische Regierung. Bundeskanzler Kurz verhängte Reisewarnungen für sechs Balkan-Staaten, darunter Albanien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Kosovo, Nordmazedonien und Serbien. 

Balkan als Corona-Hot-Spot: Was sind die Gründe?

Zwei Beispiele für die aktuelle Entwicklung: In Kroatien und Serbien, zwei beliebten Urlaubszielen, entwickelte sich das Infektionsgeschehen - gemessen an den Neu-Infektionen mit dem Coronavirus "Sars-CoV-2" - über mehrere Monate gut. Im Mai und Juni 2020 lag die Zahl der täglichen Neu-Ansteckungen in beiden Ländern konstant unter 100 Fällen.

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Das veränderte sich nun Anfang Juli: In Serbien sind mehr als 16.000 Menschen infiziert, in Kroatien mehr als 3000. Im Vergleich zu den Infektionszahlen aus Deutschland sind das niedrige Zahlen. Allerdings handelt es sich dabei um keine zweite Corona-Welle auf dem Balkan, sondern um die erste.

In Serbien wurden beispielsweise sehr schnell Corona-Maßnahmen erlassen. Unter anderem blieben Restaurants und Schulen geschlossen, Menschen über 65 wurde häusliche Quarantäne verordnet. Auf diese Weise wurde die Pandemie lokal eingedämmt. Nun wurde gelockert - insbesondere aus wirtschaftlichen und politischen Aspekten. Nicht zuletzt durch fehlende Einnahmen im Tourismussektor machten Unternehmen Druck auf die Regierungen. Aber auch die Parlamentswahlen spielten eine entscheidende Rolle: In Serbien wurde Ende Juni gewählt, in Kroatien Anfang Juli, in Nordmazedonien wird Mitte Juli zur Wahlurne gebeten.

Zwar fanden die bisherigen Wahlen unter teils strengen Hygienevorschriften wie einer Maskenpflicht statt. Allerdings dürften die Infektionszahlen parallel zu den sprudelnden Einnahmen steigen. Volle Geschäfte und Läden, sich drängende Menschenmassen auf den Straßen von Belgrad, Zagreb oder Skopje. 

Ein Beispiel, das auch in Deutschland für Fassungslosigkeit sorgte, war zuletzt das Fußball-Derby zwischen den verfeindeten Teams von Partizan Belgrad und Roter Stern Belgrad. Mehr als 20.000 Fans standen eng zusammen auf den Tribünen und feierten. Solche Veranstaltungen könnten sich im Nachhinein als sogenannte "Superspreader-Events" herausstellen. Die "Hot-Spots" liegen überwiegend in Großstädten der betroffenen Balkan-Staaten. "In Belgrad haben wir die größten Probleme", gab Staatspräsident Vucic zuletzt bekannt. 

Eine abschließende Bewertung der Lockerungen dürfte ein Blick auf die Infektionszahlen im August 2020 erlauben. Alle aktuellen Entwicklungen zur Corona-Krise und zur Pandemie erfahren Sie im News-Ticker von inFranken.de.