Auf der Synode im Vatikan sprechen fast 200 Kirchenobere und einige Laien über geänderte Lebenswirklichkeiten in Ehe und Familie und die Herausforderungen für die katholische Kirche. In Deutschland deutet sich unterdessen eine Lockerung des kirchlichen Arbeitsrechts für geschiedene Katholiken an.

Auf der von Franziskus einberufenen zweiwöchigen Synode im Vatikan, die ein Beratungsgremium des Papstes ist und von ihm geleitet wird, beraten 191 «Synodenväter», zumeist Vorsitzende der Bischofskonferenzen, konkret über Scheidung, Abtreibung oder die Homo-Ehe. Beratend nehmen auch Laien teil.

Mit der Synode reagiert Kirche darauf, dass für viele Gläubige eine Kluft zwischen ihrer Lebenswirklichkeit und der amtlichen Lehre besteht. Konkrete Beschlüsse werden von dem Treffen aber nicht erwartet.

Franziskus sagte in der Eröffnungsmesse im Petersdom, die Synodenversammlungen seien sind nicht dazu da, «schöne und originelle Ideen zu diskutieren oder zu sehen, wer intelligenter ist». In diesem Fall verlange der Herr von uns, «uns um die Familie zu kümmern».

Anschließend wandte sich Franziskus am Sonntagmittag beim traditionellen Angelus-Gebet noch einmal an die Gläubigen auf dem Petersplatz: «Die Synodenväter, aus allen Teilen der Welt hergekommen, werden zusammen mit mir zwei intensive Wochen des Zuhörens und der Auseinandersetzung erleben - befruchtet vom Gebet.»

Im Vorfeld waren bereits verschiedene Fronten innerhalb der Kirche deutlich geworden: So lehnen konservative Vertreter etwa die Zulassung von Gläubigen zur Kommunion ab, die nach einer Scheidung wieder geheiratet haben. Andere hatten hier eine mögliche Lockerung der kirchlichen Lehre angedeutet. Ähnlich schwierig sehen viele Gläubige auch die Haltung der Kirche bei der Verhütung oder den Umgang mit Homosexuellen.

Die Laien in der katholischen Kirche erhoffen sich von der Bischofssynode frischen Wind und Reformimpulse. Die grundlegenden kirchlichen Aussagen zum Thema Ehe und Familie dürften nicht länger durch einzelne Verbote verstellt werden, sagte der Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Stefan Vesper, der Nachrichtenagentur dpa.

Das Treffen, an dem aus Deutschland der Münchner Erzbischof Kardinal Reinhard Marx und die Berliner Familienberaterin Ute Eberl teilnehmen, dient zur Vorbereitung einer weiteren Synode im kommenden Jahr zum gleichen Thema. Die eigentliche Arbeit der Synode beginnt an diesem Montag. Am 19. Oktober geht das Treffen mit der Seligsprechung von Papst Paul VI. zu Ende.

In Deutschland deuten sich bereits konkrete Lösungsvorschläge an: So will die katholische Kirche nach einem Bericht auf wiederverheiratete Geschiedene zugehen und ihr Arbeitsrecht in einem wichtigen Punkt ändern. Eine automatische Kündigung von Geschiedenen, die eine neue Ehe eingehen, solle es künftig nicht mehr geben, schreibt die «Rheinische Post». Das gehe aus dem Änderungsvorschlag für die «Grundordnung des kirchlichen Dienstes» in den deutschen Bistümern hervor.

Beschäftigte katholischer Einrichtungen wie Kindergärten, Altenheime oder Krankenhäuser müssen bisher grundsätzlich mit der Kündigung rechnen, wenn sie nach der Scheidung eine neue Beziehung eingehen und erneut heiraten. Ausnahmen sind theoretisch nur in Einzelfällen möglich.