Das Regime von Präsident Baschar al-Assad begründete seine Ablehnung mit «zusätzlichen Aufgaben», die UN-Generalsekretär Ban Ki Moon den Experten aufgetragen habe und die angeblich «im Widerspruch zur Souveränität Syriens stehen». Das meldete die staatliche Nachrichtenagentur Sana. Die Regierung und die Rebellen hatten einander im März bezichtigt, sie hätten in der Provinz Aleppo Chemiewaffen eingesetzt.

Regimegegner behaupteten, Regierungstruppen hätten auch am Dienstag Chemiewaffen eingesetzt. Auf die Ortschaft Al-Otaiba im Umland von Damaskus seien drei Raketen mit chemischen Kampfstoffen abgefeuert worden. Um dies zu untermauern, zeigten die Aktivisten Videoaufnahmen von verendeten Vögeln.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) forderte das Regime auf, die Experten, die es selbst angefordert habe, umgehend einreisen zu lassen. Er erklärte am Rande von Gesprächen mit der Organisation für das Verbot Chemischer Waffen in Den Haag: «Die gegenseitigen Beschuldigungen über den Einsatz von Chemiewaffen in Syrien sind höchst beunruhigend und müssen schnellstens aufgeklärt werden.»

Unter den syrischen Oppositionellen gibt es derweil neuen Streit. Fahd al-Masri, der frühere Sprecher der Freien Syrischen Armee (FSA) warf der Muslimbruderschaft vor, sie versuche «die Revolution zu stehlen». Er erklärte, die Islamisten-Vereinigung schüre durch ihre Politik Spannungen zwischen den verschiedenen Religionsgruppen und unterstützte nur bestimmte Rebellenbrigaden.

Der Sprecher des FSA-Generalstabs, Oberst Abdelhamid Sakarija, sagte der Nachrichtenagentur dpa, Al-Masri habe nicht mehr das Recht, im Namen der FSA zu sprechen. «Wir brauchen momentan auch eher freundliche Worte und keine Angriffe auf bestimmte Gruppen», fügte er hinzu. Die Regimegegner zählten am Dienstag landesweit 23 Tote.

Die Al-Kaida-Terroristen im Irak erklärten derweil, sie hätten sich auf eine Vereinigung mit den Dschihadisten in Syrien geeinigt. Das geht aus einer Audiobotschaft hervor, die dem Anführer des Al-Kaida-Ablegers Islamischer Staat im Irak, Ibrahim al-Badri, zugeschrieben wird. Washington hat auf Al-Badri, alias Abu Bakr al-Baghdadi, ein Kopfgeld in Höhe von zehn Millionen US-Dollar (7,67 Mio. Euro) ausgesetzt.

Angeblich soll die in Syrien operierende Al-Nusra Front der Vereinigung zugestimmt haben. Bislang haben sich die Anführer der Front, die unter anderem Gebiete in der Provinz Al-Rakka kontrolliert, jedoch nicht selbst dazu geäußert.

In der Audioaufnahme, die am Dienstag auf Islamisten-Websites veröffentlicht wurde, heißt es an die Adresse der Syrer: «Ihr habt über viele Jahre die Diktatur mit ihrem Unrecht erlebt. Nun passt auf, dass Ihr sie nicht durch das Unrecht der Demokratie ersetzt, so wie es in Ägypten, Tunesien und Libyen geschehen ist! Seht nur, in welcher Lage sie dort sind und wo sie jetzt stehen!»

Nach Meinung von Experten sind nicht alle Islamisten-Brigaden, die in Syrien gegen das Regime kämpfen, dem Terrornetz Al-Kaida zuzurechnen.