Die Debatte um die Namensgebung solcher Veranstaltungen geht weit zurück. Enorm populär wurde das Thema im Zuge des Artikels "Haben wir nicht alle Lichter am Baum?" vor ziemlich genau einem Jahr in der "Bild am Sonntag". Im Fokus lag dabei der "Kreuzberger Wintermarkt". Das Berliner Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg hatte 2007 beschlossen: "Das Bezirksamt verständigt sich darauf, dass grundsätzlich keine Genehmigungen für Veranstaltungen von Religionsgemeinschaften im öffentlichen Raum erteilt werden."
Die Bild-Redakteure folgerten daraus, dass sich aufgrund dieses Beschlusses "Weihnachtsmärkte" von nun an in "Wintermärkte" umbenennen müssten. Damit lagen die Journalisten allerdings schlicht falsch. Ein einfacher Klick auf die Webseite des Kreuzberger Wintermarkts hätte derlei Fehlinformation verhindern können. Darin machen die Betreiber deutlich, dass die Benennung des Marktes aus freien Stücken geschah - nicht aufgrund staatlicher Anweisung. Der Kreuzberger Wintermarkt wolle einfach auch Menschen ansprechen, die "auf Weihnachtsrummel nicht so viel Wert legen" und ein alternatives Programm bevorzugen.


Untergangsstimmung verbreitet sich schnell

Die Springer-Redakteure verbreiteten stattdessen Untergangsstimmung. "Wird auf dem Altar der politischen Korrektheit die christliche Tradition geopfert?", fragten sie und stellten erschüttert fest: "Uns ist wirklich nichts mehr heilig." Dabei machte auch Sascha Langenbach, Sprecher des Bezirksamts Friedrichshain-Kreuzberg, unmissverständlich klar: "Ich kann alle beruhigen: Das Abendland bleibt weiterhin bestehen, genauso wie die Weihnachtsmärkte in Friedrichshain-Kreuzberg - in diesem Jahr und auch in den nächsten Jahren. Wie die Märkte sich nennen, ist uns total egal."

In München gibt es dagegen einen ganz simplen Grund für die Namensgebung der vorweihnachtlichen Veranstaltung: Der Markt am Flughafen beginnt nämlich nicht wie für Weihnachtsmärkte üblich am ersten Advent, sondern schon eine Woche früher. Außerdem endet er nicht an Heiligabend, sondern ursprünglich erst Anfang Januar. Um sich auch namentlich von herkömmlichen Weihnachtsmärkten abzugrenzen, heißt der Markt am Flughafen eben "Wintermarkt". Und das schon seit inzwischen neun Jahren.


"Wintermarkt" auch in Franken

Auch in Franken etabliert sich ein solcher Wintermarkt. Am vergangenen Sonntag fand zum vierten Mal der eintägige Gundelsheimer Wintermarkt statt. Ein Unterschied zu herkömmlichen Märkten ist aber nur in der Bezeichnung zu finden. Denn ansonsten hebt sich der Gundelsheimer Markt nicht wirklich ab: Es gibt Verkaufsstände mit regionaler Handwerkskunst, Auftritte von Gesangs- und Musikvereinen, Kutschfahrten sowie ein Abschlussfeuerwerk.

Auf Nachfrage äußerte sich eine Sprecherin der Gemeinde Gundelsheim ähnlich wie die Offiziellen des Münchner Flughafens: "Unser Markt findet vor dem Start der offiziellen Weihnachtszeit am ersten Advent statt. Deswegen, und um uns abzuheben, heißt unsere Veranstaltung Wintermarkt." Nachfragen oder gar Proteste des Namens wegen gäbe es jedoch kaum. "Wenn doch mal jemand nachfragt, erklären wir es und dann ist es auch gut."

Auf dem Altar der politischen Korrektheit werden also keine christlichen Traditionen geopfert. Und die Vorstellung, dass den Betreibern der Weihnachtsmärkte vorgeschrieben wird, wie sie ihre Veranstaltungen zu nennen haben, bleibt ein Wintermärchen. Oder ein Weihnachtsmärchen?