Die erste Welle der Warnstreiks im öffentlichen Dienst in Bayern hat vor allem Kindertagesstätten getroffen. Schwerpunkte der Aktionen waren zum Auftakt am Dienstag Würzburg, Bamberg, Regensburg und Passau. Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi ließen in 20 Städten etwa 2000 Beschäftigte die Arbeit ruhen. Auch Müllabfuhren, städtische Verwaltungen, einige Krankenhäuser sowie die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung wurden bestreikt.

Das sei erst der Auftakt, betonte der stellvertretende Verdi- Landesbezirksleiter Norbert Flach. Vor der zweiten Verhandlungsrunde am Donnerstag würden die Warnstreiks am Mittwoch deutlich ausgeweitet. "Da ist noch viel Luft nach oben." Dann sollen Betriebe und Dienststellen in Ober-, Mittel- und Unterfranken, Niederbayern, Augsburg, Ingolstadt, Rosenheim, München und im Allgäu einbezogen werden.

Bamberg: Stadtwerke und Klinik

In Bamberg wurden Sozialstationen, die Stadtwerke, das Bambados (geschlossen) und das Krankenhaus bestreikt, dort gibt es aber einen Notbetrieb. Eine Kundgebung gab es vor dem Zentralen Omnibusbahnhof.
In Lichtenfels und Bad Staffelstein wurden die Bauhöfe bestreikt.

In der Landeshauptstadt sollen am Mittwoch die städtischen Kitas, die Stadtwerke, die Stadtentwässerung, die Verkehrsüberwachung und das Isar-Amper-Klinikum bestreikt werden. Zudem ist für 10.30 Uhr eine Kundgebung angesetzt.

In Nürnberg sollen von den Warnstreiks der Stadtentwässerungsbetrieb, die Stadtbibliothek und die Telefonvermittlung betroffen sein. In Erlangen und Fürth ruht laut Ankündigung die Arbeit bei der Müllabfuhr und auch bei zahlreichen städtischen Kitas. Auch hier sind Kundgebungen geplant.

Alleine in Regensburg waren 28 Kitas und Mittagsbetreuungen geschlossen. Eine Alternative zu finden, sei für die betroffenen Eltern eine Herausforderung, sagte Alexander Gröbner von Verdi Oberpfalz. "Aber die Eltern wissen, dass die Erzieherinnen einen guten Job machen, der auch entsprechend entlohnt werden muss." Zu einer Kundgebung waren am Dienstag etwa 600 Beschäftigte in die Domstadt gekommen. Bestreikt werden außerdem die Müllabfuhr, die Straßenreinigung, der Bauhof, das Gartenamt, das Klärwerk, das Jobcenter, die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung, Energieversorger und die Müllverwertungsanlage in Schwandorf.

In Würzburg zogen etwa 550 Beschäftigte in einem Demonstrationszug durch die Innenstadt. Die Arbeit niedergelegt hatten Mitarbeiter der Stadtreinigung, der Stadtverkehrs GmbH, der Trinkwasserversorgung, der Würzburger Hafen GmbH, sowie aus einigen Verwaltungsbereichen und der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Süd.

In München schlossen sich rund 800 Beschäftigte einem Protestmarsch der Gewerkschaft dbb an. Bei der anschließenden Kundgebung machte das Mitglied der dbb-Verhandlungskommission, Siegfried Damm, deutlich, dass er ein faires Angebot der Arbeitgeber erwarte. "Alles andere würden Straßenwärter und Bundespolizisten, Erzieherinnen und Krankenschwestern, Busfahrer und Verwaltungsmitarbeiter zu Recht als Missachtung ihrer Arbeit verstehen."

Forderungen der Gewerkschaften

Die Gewerkschaften fordern die Anhebung der Löhne um monatlich 100 Euro sowie einen zusätzlichen Lohnzuwachs von 3,5 Prozent. Vor der nächsten Verhandlungsrunde am Donnerstag würden die Warnstreiks ausgeweitet, kündigte Verdi an. Der stellvertretende Landesbezirksleiter Norbert Flach sagte: "Da muss anscheinend erst Druck in den Kessel."

Der Deutsche Städtetag kritisierte die Warnstreiks. "Die Haushaltslage vieler Städte ist weiterhin mehr als schwierig", sagte Hauptgeschäftsführer Stephan Articus der "Passauer Neuen Presse" (Dienstag). Der begrenzte Spielraum der Kommunen müsse beachtet werden. Der designierte DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann sagte der Zeitung, die Einkommen im öffentlichen Dienst hätten sich von der Lohnentwicklung in der Industrie abgekoppelt. "Diese Lohnlücke muss wieder geschlossen werden."

Schwerpunkt der bundesweiten Warnstreiks war am Dienstag Nordrhein-Westfalen. Dort hatte Verdi mehr als 45 000 Beschäftigte zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen, unter ihnen mehr als 10 000 Angestellte im öffentlichen Nahverkehr. Fast flächendeckend wurden die Nahverkehrsbetriebe lahmgelegt, Busse und Bahnen blieben in den Depots. Auch in Kassel und Braunschweig ruhte der Nahverkehr fast komplett.








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