Wo es vor einem Jahr noch "Land Unter" hieß, erstrahlt nun eine bunte Blumenpracht. Teile Deggendorfs standen im letzten Frühsommer meterhoch im öligen Hochwasser, jetzt blüht die Stadt in einem wahren Blumenmeer auf. Bei strahlendem Sonnenschein hat am Freitag die Landesgartenschau 2014 ihre Pforten geöffnet.

Bis zum 5. Oktober erwarten die Besucher mehr als 3500 Veranstaltungen und hunderttausende blühende Pflanzen. "Ich bin beeindruckt. Sie haben sich nicht einmal vom Hochwasser bremsen lassen. Mitten in der Stadt ist ein Blumenmeer der Superlative entstanden", sagte Umweltminister Marcel Huber (CSU) bei seiner Festrede. Die Veranstalter erwarten rund 700.000 Besucher.

Zusammenspiel von Landschaftsgestaltung und Hochwasserschutz

Zentrales Element der Schau unter dem Motto "Brückenschlag Donau, Ufer verbinden, Grenzen überwinden" ist das Zusammenspiel von Landschaftsgestaltung und Hochwasserschutz. Herzstück sind die Gärten auf dem extra angelegten 1,7 Kilometer langen Deich. "Der neue Deichgarten bietet Hochwasserschutz und grüne Erholungsflächen Hand in Hand", betonte Huber. Gleichzeitig seien zur Abmilderung von Hochwässern 35 Hektar Überschwemmungsflächen geschaffen worden.

Bereits zwei Stunden vor dem Festakt tummelten sich am Freitagmorgen zahlreiche Kinder auf den besonderen Spielplätzen am Donauufer. "Auf dem Donauspiel kann jeder an einem Tag die Donau-Anrainerstaaten bereisen und abends im Schwarzen Meer baden", erläuterte der Deggendorfer Oberbürgermeister Christian Moser (CSU). Wer ganz früh gekommen war, konnte sogar noch die Wassertropfen auf den hunderten Schautafeln glitzern sehen. Etwa 10.000 Gießkannen lassen die Gärtner jeden Tag auf die Blumen rieseln.

Zum Wasser haben die Deggendorfer seit jeher eine ganz besondere Beziehung. Die Donau trennt den Hauptteil der Stadt von einigen kleineren Stadtteilen. Daher ging Umweltminister Huber in seiner Festrede nicht nur auf die farbenfrohe Gestaltung der Landesgartenschau ein. "Vor einem Jahr hat uns die Natur gezeigt, wie klein wir Menschen eigentlich sind." Mit dem Hochwasser sei aber auch eine Welle der Solidarität durch Bayern geschwappt. "Die vielen Helfer haben an der Donau Unmenschliches geleistet." Das Ergebnis sei nun auch auf der Donaugartenschau zu sehen. "Die Natur ist in allen ihren Facetten eine Kraftquelle für die Menschen in Bayern." Huber sicherte zu, den Hochwasserschutz mit großer Intensität fortzusetzen.

340.000 Blumen auf 17 Hektar

Auf dem 17 Hektar großen Gelände, das etwa 20 Fußballfeldern entspricht, blühen zurzeit knapp 340.000 Frühjahrs- und Sommerblumen sowie Stauden. Außerdem setzten die Veranstalter 450 Bäume, darunter 48 Apfelbäume mit 24 verschiedenen Sorten. Die Besucher können sich auch auf einen Skulpturenpark aus Glas freuen, der an die Tradition des Bayerischen Waldes als Standort der Glasherstellung erinnert. Außerdem präsentieren Tschechien und Österreich einen eigenen Pavillon.

Der Etat für die 17. Landesgartenschau seit 1980 in Bayern beträgt elf Millionen Euro, den der Freistaat, die EU und die Stadt aufbringen. Der Bayerische Oberste Rechnungshofs hatte das Förderverfahren für Landesgartenschauen als intransparent kritisiert und eine ganze Reihe von Verstößen gegen die Förderbestimmungen festgestellt. Umweltminister Huber wies dies am Freitag zurück.

"Sämtliche Entscheidungen wurden mit hoher Transparenz getroffen. Ich habe ein ruhiges Gewissen, dass hier nichts fehlinvestiert wurde", sagte er beim Rundgang auf dem Gelände. Die Menschen hätten bei allen Landesgartenschauen an Lebensqualität gewonnen und profitierten langfristig von den Investitionen. "Durch die Gartenschauen sind im Freistaat mehr als 400 Hektar Grün- und Erholungsflächen entstanden", erläuterte Huber. Nach derzeitigen Berechnungen der Verantwortlichen verbleibt für die Stadt Deggendorf für die Landesgartenschau eine Zuzahlung in Höhe von 1,3 Millionen Euro. Die Stadt hatte zusätzlich etwa 24 Millionen Euro in städtebauliche Projekte investiert.

Besonders teuer, aber auch symbolträchtig ist das Prunkstück der Landesgartenschau - die am Freitag eröffnete 456 Meter lange Geh- und Radwegebrücke. Sie verbindet Deggendorf mit dem Stadtteil Fischerdorf. Dieser war im vergangenen Frühsommer besonders hart von der Flutkatastrophe getroffen worden. Hunderte Häuser wurden zerstört, mehr als tausend Menschen verloren ihr Zuhause. "Wir hoffen bis Ende des Jahres den Wiederaufbau geschafft zu haben", sagte der Deggendorfer Landrat Christian Bernreiter (CSU). Er hofft, dass die Menschen in Fischerdorf bald wieder zu den alten Zeiten zurückkehren können. "Aber heute dürfen wir uns auch ehrlich auf die schönen Seiten der Donau freuen."