Gerade erst wurde er zum "Film des Jahres" erklärt, jetzt greift er nach dem Goldjungen: "Toni Erdmann" von Regisseurin Maren Ade geht für Deutschland ins Oscar-Rennen. Das gab die Auslandsvertretung des Deutschen Films, German Films, am Donnerstag in München bekannt. Er soll bei der Oscar-Verleihung im kommenden Jahr den begehrten Preis für den besten nicht-englischsprachigen Film nach Deutschland holen, wie eine unabhängige Jury entschied.

Die sieben übrigen Bewerber, darunter die Hitler-Satire "Er ist wieder da", "Der Staat gegen Fritz Bauer" und "Das Tagebuch der Anne Frank", gingen leer aus.

"Toni Erdmann" habe unter den acht Bewerbern "durch seine konsequente künstlerische Handschrift" überzeugt, erklärte die Jury: "Eine ebenso mutige wie stilsichere filmische Seelenschau am Puls der Zeit. Maren Ade schafft es, 162 Minuten Film zu einem humorvoll-entlarvenden Spaziergang durch die Nuancen einer Vater-Tochter Beziehung werden zu lassen."

Der Film erzählt die Geschichte von Winfried (Peter Simonischek), einem Musiklehrer, und seiner Tochter Ines (Sandra Hüller), einer Karrierefrau. Er sei "anrührend, aufrüttelnd, gesellschaftliche Fragezeichen implementierend und von unbeirrbarer gestalterischer Klarheit", hieß es von der Jury. "So muss modernes, internationales Kino sein!"

Regisseurin Ade sagte in einer Mitteilung: "Ich freue mich sehr, dass die Jury "Toni Erdmann" ins Oscar-Rennen schickt und bin gespannt, wie Toni sich in Los Angeles so benimmt." Und Schauspieler Thomas Loibl, der in dem Film eine Nebenrolle spielt, sagte: "Wir sind alle sehr glücklich und jubeln natürlich."

Am 17. Januar 2017 wird die Academy in Hollywood eine Shortlist der eingesendeten Bewerbungen aus dem Ausland veröffentlichen, die fünf nominierten Filme sollen am 24. Januar bekannt gegeben werden. Die Oscarverleihung findet am 26. Februar 2017 in Hollywood statt.

Im vergangenen Jahr ging der Film "Im Labyrinth des Schweigens" von Giulio Ricciarelli über die Frankfurter Auschwitz-Prozesse als deutscher Beitrag ins Oscar-Rennen; er schaffte es aber nicht in die Auswahl der letzten fünf Nominierten.

Jedes Jahr schlägt die Auslandsvertretung des deutschen Films einen Kandidaten vor, der für Deutschland ins Oscar-Rennen geht. Dabei fiel die Wahl zuletzt oft auf zeitgeschichtliche Stoffe, die sich mit dem Nationalsozialismus, der DDR und ihren Auswirkungen befassten. "Wir haben gesagt, wir wollen in eine neue Richtung gehen", begründete Jurysprecherin Felicitas Darschin die Entscheidung für "Toni Erdmann".

Der letzte deutsche Film, der dann auch offiziell für den Auslands-Oscar nominiert wurde, war "Das weiße Band" von Michael Haneke bei der Oscar-Verleihung 2010. Den Oscar in der Kategorie bester nicht-englischsprachiger Film holte zuletzt "Das Leben der Anderen" von Florian Henckel von Donnersmarck im Jahr 2007 nach Deutschland. Zuvor hatten auch Volker Schlöndorffs "Blechtrommel" (1979), István Szabós "Mephisto" (1981) und Caroline Links "Nirgendwo in Afrika" (2003) die Trophäe gewonnen.