Der in Northeim festgenommene Terrorverdächtige Sascha L. hat bis zu seiner Verhaftung ein unauffälliges Leben in der Kleinstadt geführt. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur war der wegen diverser Delikte polizeibekannte 26-Jährige vor etwa zweieinhalb Jahren aus Berlin in die südniedersächsische Stadt gezogen.

Er habe dort sehr zurückgezogen von Sozialleistungen in einem Ein-Zimmer-Appartement in der Innenstadt gelebt, hieß es am Freitag. Die Polizei war dennoch auf ihn aufmerksam geworden.
Der 26-Jährige, der wegen früherer Delikte vorbestraft ist, fiel nach dpa-Informationen in Northeim allerdings nicht als Straftäter auf. Die Ermittler seien vielmehr "durch einen ungewöhnlichen Umstand auf ihn aufmerksam geworden", hieß es. Sascha L. wurde anschließend längere Zeit beobachtet, bevor er schließlich am Dienstag dieser Woche festgenommen wurde.


Früher Teil der Neonazi-Szene?

Unterdessen vermeldet Spiegel-Online, dass Sascha L. keineswegs schon immer Anhänger des radikalen Islam war. Stattdessen habe er noch mindestens bis 2013 dem rechtsextremen Milieu angehangen.

Demnach habe er früher selbst gegen Muslime gehetzt, unter anderem in einem YouTube-Kanal, den die Sicherheitsbehörden dem 26-Jährigen zuordnen.

Der festgenommene Salafist muss sich also sehr schnell radikalisiert haben. Sascha L. gab zu, dass er mit einer selbst gebauten ferngezündeten Bombe Polizisten oder Soldaten töten wollte. Die für den Sprengsatz erforderlichen Utensilien, darunter die hochexplosive Chemikalie Acetonperoxid sowie elektronische Bauteile zur Herstellung einer Fernzündung, wurden in seiner Wohnung gefunden.


Anschlagsziel noch unklar

Wo er den Anschlag verüben wollte, blieb offen. "Das wird noch ermittelt", sagte der Sprecher der federführenden Generalstaatsanwaltschaft Celle, Bernd Kolkmeier.

Was genau die Fahnder auf die Spur von Sascha L. gebracht hat, wurde zwar nicht bekannt. "So etwas ergibt sich aber häufig durch Zufälle", sagte Ulf Küch, der niedersächsische Landesvorsitzende des Bundes deutscher Kriminalbeamter (BDK). Oft stießen Ermittler bei Recherchen im Internet auf Verdächtige.

"Manchmal wird aber auch denunziert", sagte Küch. "Die Polizei hat da ihre Mittel und Methoden. Die dürfen natürlich nicht bekannt gegeben werden." Grundsätzlich sei die Suche nach mutmaßlichen islamistischen Terroristen für die Ermittler zwar Neuland, sagte der BDK-Landesvorsitzende. "Aber es gelingt schon recht gut".