Deutschland soll nach den Vorstellungen von Experten wie in anderen EU-Staaten die Außenwerbung für Tabak und Alkohol verbieten. Dies schlugen die Herausgeber des 4. Alternativen Drogen- und Suchtberichts am Dienstag (30. Mai) in Berlin vor. Außerdem fordern die Experten, dass Konsumenten illegaler Drogen komplett entkriminalisiert werden.


Widerstand aus der Unionsfraktion



Der Bundestag verschleppe laut Bericht das Tabakwerbeverbot. Zugleich verführten Hersteller Jugendliche weiter zum Rauchen - vor allem auf Musikfestivals, kritisierten die Herausgeber des Berichts. Vor allem in der Unionsfraktion gibt es Widerstand gegen den von Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) vorgelegten Verbotsentwurf für die Tabakaußenwerbung.

Die Herausgeber des Berichts verwiesen darauf, dass in Deutschland jedes Jahr mehr als etwa 120 000 Menschen an den Folgen des Rauchens sterben. 80 Prozent aller Todesfälle bei Lungenkrebs seien auf das Rauchen zurückzuführen.


Komplette Entkriminalisierung von Drogenkonsumenten: "Ausgesprochen positive Erfahrungen"



Zudem fordern die Experten, dass Konsumenten illegaler Drogen komplett entkriminalisiert werden. Damit hätten bislang alle Länder, die diesen Schritt gegangen seien, "ausgesprochen positive Erfahrungen gemacht". Bis zu 80 Prozent der "Rauschgiftkriminalität" werde so reduziert.

Laut dem Bericht wurden noch nie so viele Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz registriert wie im vergangenen Jahr. Die Polizei habe vor allem die Jagd auf Cannabiskonsum intensiviert. Von allen im Jahr 2016 registrierten Cannabis-Delikten entfielen demnach 80 Prozent auf den Konsum. "Damit wird deutlich, dass sich der allergrößte Teil der polizeilichen Ressourcen auf Konsumierende statt auf Handelnde konzentriert, was den ursprünglichen Intentionen des Gesetzgebers diametral entgegengesetzt ist", hieß es.