Auf der Suche nach günstigen Einkaufsmöglichkeiten fahren Deutsche immer häufiger Outlet- oder Factory-Outlet-Center an. Laut Outfit-Studie 8.0, über die die Fachzeitung Textilwirtschaft berichtete, gehen 15 Prozent der Konsumenten häufiger zu einem Fabrikverkauf. Das sind doppelt so viel wie bei der Vorgängerbefragung von 2011. Nimmt man die Gelegenheitskäufer hinzu, erwerben sogar 59 Prozent der Verbraucher Kleidung, Elektrogeräte und andere Waren auf diesem Weg.

Vor allem die Aussicht auf hohe Rabatte treibt die Kunden in die Outlet-Stores. Mit Preissenkungen um bis zu 80 Prozent werben die zahlreichen Anbieter auf dem Markt. Solch hohe Nachlässe sind möglich, weil Unternehmen im Fabrikverkauf direkt als Verkäufer auftreten, also ohne Zwischenhändler, die selbst noch ihren Schnitt machen müssen. Außerdem handelt es sich bei der angeboten Ware häufig um sogenannte B-Ware oder zweite Wahl. Das heißt, die Artikel weichen leicht von der Norm ab, haben etwa andere Farben als im Laden erhältliche, eine kleine Macke oder weichen um einige Gramm vom üblichen Gewicht ab.

Es kann sich aber auch um Ware aus Überkapazitäten handeln, die ein Hersteller bei den Groß- und Zwischenhändlern nicht losgeworden ist und daher selbst günstig auf den Markt wirft. Oder es handelt sich um Restposten der Kollektion des vergangenen Jahres. In manchen Fällen zeichnen Hersteller aber auch Artikel einfach als zweite Wahl aus oder produzieren eigens Artikel für den Fabrikverkauf.

Für Verbraucher ist es schwer nachzuvollziehen, wie gut der angebotene Preis wirklich ist. Ein Vergleich ist nicht möglich, wenn es einen Artikel in dieser Form nirgendwo anders zu kaufen gibt. Es muss daher jeder selbst entscheiden, ob er mit den kleineren Abweichungen der B-Ware leben kann oder nicht. Doch auch eine Gegenüberstellung mit vergleichbaren Artikeln anderer Hersteller ist im Outlet nicht möglich, da dort nur die Produkte eines Produzenten in den Regalen liegen dürfen. Allenfalls in einem Factory-Outlet-Center (FOC) können Verbraucher auch Konkurrenzangebote gegenchecken. In einem solchen FOC gibt es nämlich verschiedene Läden, die jeweils die Waren eines Herstellers verkaufen.

Viele Verbraucher berücksichtigen bei den Rabatten nicht ihre Kosten. Die Mehrzahl der Outlet-Stores und Fabrikverkaufszentren liegt nicht in der nahen Innenstadt, sondern auf der grünen Wiese. Viele Gemeinden haben sie nur dort genehmigt, damit sie nicht in direkter Konkurrenz zum lokalen Einzelhandel stehen. Für die Kunden bedeutet das eine längere Anfahrt: Von Bamberg zu den Outlets in Herzogenaurach sind es rund 55 Kilometer und von Coburg und Kulmbach ist es sogar doppelt so weit. Doch auch den noch weiteren Weg zum FOC Wertheim Village nehmen viele Bamberger, Kronacher und Haßfurter in Kauf, dabei sind es selbst aus Haßfurt noch gut eine Stunde Fahrt - Staus nicht mitgerechnet. Für Hin- und Rückfahrt kann das Benzingeld so 20 bis 50 Euro betragen.

Damit sich solch weite Wege lohnen, müssen es also schon mehrere Schnäppchen sein, sonst verpufft der Spareffekt sehr schnell. Allerdings sollte man sich die Ware genau anschauen, bevor man sie ersteht, um sich nicht für den Umtausch noch einmal ins Auto setzen zu müssen. Bei der Reklamation spielt wieder eine Rolle, dass es sich um zweite Wahl handelt. Längst nicht alle Outlet-Stores gewähren eine Rückgabe oder einen Umtausch des Artikels, besonders wenn bereits im Laden darauf hingewiesen wird. Funktioniert jedoch zum Beispiel ein Elektrogerät nicht, ist eine Reklamation möglich.

Es lohnt sich also, den Kassenbon aufzubewahren, um den Kauf im Outlet notfalls nachweisen zu können. Die Hersteller, die einen Fabrikverkauf betreiben, wollen schließlich keine Kunden vergrätzen, sondern für ihre Marke begeistern. Outlets sind für sie eine Form der Imagepflege und Kundenbindung.

Diese betreiben zahlreiche Hersteller auch im Internet. Besonders bei Computern, Kameras und Navigationsgeräten kann sich ein Blick in die Online-Shops lohnen. Dort bieten die Hersteller von ihnen zurückgenommene und generalüberholte Geräte an. Da es sich somit um gebrauchte Ware handelt, beträgt die Gewährleitungspflicht allerdings meist nur ein Jahr statt der üblichen zwei Jahre bei Neuware. Vor einem Kauf sollten Verbraucher daher unbedingt die AGB prüfen und dort Garantie, Umtausch und Widerrufsrecht nachschlagen.