Eine Versicherung ist ein Geschäft mit der Angst. Die Police soll Schutz vor dem finanziellen Ruin bei einem möglichen Schaden bieten. Doch wie groß ein Risiko tatsächlich ist, können Verbraucher oft nicht gut abschätzen - und stecken viel Geld in die falsche Versicherung. Daher lohnt eine Ausein­andersetzung mit den persönlichen Risiken. Nur so lässt sich entscheiden, welche man tragen kann und welche man besser absichert. Der Blick auf die Risiken ändert sich allerdings im Laufe des Lebens. So ist die Gründung einer Familie auch in diesem Punkt ein wichtiger Einschnitt und ein guter Zeitpunkt, die Versicherungen zu überprüfen.

Zu den Pflichtversicherungen zählt die Krankenversicherung. In Beziehungen, in denen beide Partner berufstätig sind, ist jeder einzeln versichert. Eine Ausnahme ist in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung möglich, wenn ein Ehepartner nur geringfügig verdient. Kinder sind kostenlos in der Familienversicherung mitversichert - von Geburt an. Ist jedoch der Elternteil mit dem höheren Einkommen privat versichert und liegt sein Einkommen über der Beitragsbemessungsgrenze, benötigt das Kind eine eigene private Krankenversicherung. Diese muss jedoch nicht beim selben Versicherer abgeschlossen werden, bei dem Papa oder Mama Kunde sind. Für Auslandsreisen reicht hingegen ein gemeinsamer Vertrag für die Familie, der die Kosten eines Rücktransports aus dem Ausland abdeckt.

Sparen lässt sich bei der Privathaftpflicht. Auch ohne Trauschein können Paare hier in einen gemeinsamen Tarif wechseln und den bestehenden Vertrag jüngeren Datums dafür kündigen. Kinder später mit einzubeziehen ist kostenlos möglich. Doch Vorsicht: Nicht jede Haftpflichtversicherung deckt auch die Schäden ab, die Unter-Siebenjährige verursachen. Kinder gelten bis zu dieser Altersgrenze als deliktunfähig.

Paare und Familien benötigen zudem nur eine gemeinsame Hausratsversicherung. Auch hier kann der jüngere Vertrag aufgehoben werden. Es empfiehlt sich jedoch, die Versicherungssumme an den Wert der gemeinsamen Einrichtung anzupassen.

Meist besitzen Familien mindestens ein Auto. Hier ist eine Kfz-Haftpflicht vorgeschrieben, dazu eine Teil- oder Vollkaskoversicherung - je höher der Wert des Wagens, desto eher lohnt sich die zweite Variante. Machen die Kinder den Führerschein, sollten Eltern sicherstellen, dass ihre Versicherung auch für Unter-25-Jährige greift. Hat der Nachwuchs diese Altersschwelle überschritten, ist ein Wechsel in einen günstigeren Tarif meist möglich.
Teuer wird auch die Ausbildung der Kinder - 40.000 bis 50.000 Euro verschlingt laut Schätzungen ein Studium. Versicherungen bieten zur Finanzierung gern Ausbildungsversicherungen an. "Das ist so etwas wie die kleine Schwester der Kapitallebensversicherung", sagt Finanztest-Experte Michael Nischalke. Das heißt, wie bei der großen Schwester handelt es sich um eine Kombination aus Lebensversicherung und Geldanlage.

Die Versicherung ist teuer, vor allem, wenn Großeltern die Verträge abschließen. Versicherer lassen sich das höhere Sterberisiko gut bezahlen. Da zudem die Erträge wegen des niedrigen Zinsniveaus bescheiden ausfallen, empfiehlt Michael Nischalke, Schutz und Sparen zu trennen: "Um den Sterbefall des Hauptverdieners der Familie abzusichern, reicht eine Risikolebensversicherung aus." Die Versicherungssumme sollte so gewählt sein, dass die Lücke zwischen Bedarf und Hinterbliebenenrente gedeckt ist. Die anfallenden monatlichen Beiträge sind in der Regel so gering, dass viele Eltern noch 50 bis 100 Euro Budget für ein sicheres Sparprodukt zur Verfügung haben.

Sparen können sich Familien nach Einschätzung von Finanztest auch die Prämien für eine Krankenhaustagegeld-, Reisegepäck- oder Insassenunfallversicherung. Sie sind in der Regel überteuert oder der Schadensfall ist besser über andere Policen abzusichern.

Stolperfallen

Beim Vergleich der Versicherungsangebote zählt nicht nur die Prämie. Mindestens ebenso wichtig ist ein Blick auf die Leistungen, etwa bei der Hausratsversicherung, die nicht immer Fahrraddiebstahl mit einschließt. Zu prüfen sind auch Ausschlussklauseln. Die Anbieter behalten sich zum Beispiel bei der Berufsunfähigkeitsversicherung vor, nicht zu zahlen, wenn eine Vorerkrankung eine Rolle spielt.

Eine außerordentliche Kündigung ist etwa möglich, wenn der Versicherer den Beitrag anhebt, ohne dass er zugleich die Leistungen verbessert. Versicherte können dann innerhalb eines Monats kündigen. Beide Seiten dürfen in dieser Frist kündigen, wenn der Versicherer im Schadensfall gezahlt oder die Kostenübernahme abgelehnt hat.

Der Abschluss eines Vertrages ist im Internet leicht möglich - ohne Nachfragen zu stellen. Anders bei einem Versicherungsvertreter oder -makler. Ersterer ist allerdings an Anbieter gebunden und damit nicht unabhängig. Der Makler ist dies zwar, bekommt seine Courtage jedoch meist vom Versicherer.