Wer irgendwo auf der Welt mit dem Radl unterwegs ist und ein Ersatzteil braucht, kann im Laden zwischen Italien und Ozeanien gut und gern auf ein Produkt aus der fränkischen Heimat treffen: Geliefert aus Europas größtem Fahrradteilelager der Firma Messingschlager aus Baunach (Landkreis Bamberg). 1924 als kleiner Händler gegründet hat sich das in dritter Generation geführte Familienunternehmen vor 60 Jahren auf den Import von Waren aus Fernost spezialisiert, die in 70 Länder exportiert werden.
Nach der Zerstörung der Bamberger Firmenzentrale 1945 wurde 1969 am jetzigen Standort ein neues Gebäude errichtet. Oft ist man schon daran vorbeigefahren, vielleicht sogar mit dem Radl. Und dachte sich als Unwissender jedes Mal, was wohl hinter dem Schriftzug Messingschlager an der typischen 70er-Jahre-Fassade stecken mag? Spätestens seit 2012 ist diese Frage sichtbar für jeden beantwortet: Ein großer Laden zeigt, dass es hier um Fahrräder geht.


Auch Lager in USA und Asien

Im selben Jahr wurde die Lagerkapazität auf 14 000 Quadratmeter und 20 000 Lagerplätze erweitert und ein vollautomatisches System in Betrieb genommen. Zusätzlich zu den Gabelstaplern, die im Kleinmengenlager herumfahren, rauschen jetzt auf einer Höhe bis zu 18 Metern auch Roboter blitzschnell blinkend hin und her und holen aus den 8000 Plätzen in den Hochregalen die gewünschten Teile. "6000 Artikel haben wir auf Lager", erklärt Tobias Heimhalt aus der Unternehmenskommunikation.

Was nicht in Baunach vorrätig ist, kann von den Lagern in USA oder Asien bezogen werden. Entwickelt werden die Fahrradteile - auch der Eigenmarke M-Wave - in Europa und USA, hergestellt werden sie in Asien. "Die Fahrradindustrie ist ein Paradebeispiel für eine globalisierte Welt", sagt Heimhalt. Zwar gibt es auch eine Fertigung in Veilsdorf (Thüringen), wo zum Beispiel Fahrradnetze hergestellt werden. Mit diesem Produkt habe Messingschlager zur Firmengründung den Geschäftsbetrieb aufgenommen.

"Aber in richtig großen Mengen und günstig kann man nur in Fernost produzieren", weiß Heimhalt. Aufträge dort seien in der Regel mit großen Bestellmengen verbunden, wenn man gute Preise erzielen möchte. An diesem Punkt trete Messingschlager auf den Plan: Die daraus resultierende Verpflichtung und Risiken für die Händler übernehme das Unternehmen und biete außerdem mit seinem Lager den einfachen und schnellen Abruf der Teile. Täglich fahren vier bis fünf Containerladungen vom Hof und beliefern ausschließlich Großkunden, die in Baunach alles für den Fahrradverkauf bestellen können.


Von der Klingel bis zum Falthelm

Und mit alles ist wirklich alles gemeint: Von der Klingel bis zur Packtasche, von der Hose bis zum Laufrad, von der Gabel bis zum Falthelm. Gut 5000 Artikel sind im kiloschweren Katalog aufgelistet. Im Angebot gibt es auch ganze Stellwände, die nach den Wünschen der Kunden bestückt und ausgeliefert werden.

Für einige Marken ist Messingschlager exklusiver Vertriebspartner in Europa. Jüngstes Beispiel: "Royal Baby". Auf die laut Heimhalt seit 2014 in den USA meistverkaufte Kinderfahrradmarke sei man durch eine Tochterfirma in den USA aufmerksam geworden. Gerade kamen fünf Container mit den Kinderrädern aus Asien in Baunach an. Heimhalt schwärmt vom besonderen Design mit Magnesiumrahmen und Scheibenbremsen, "das ist etwas ganz Neues". Messingschlager habe sich Muster schicken und prüfen lassen, ehe man den Vertrag unterschrieben hat. "Wir sind zwar nur der Importeur, aber rechtlich muss ja alles passen und normgerecht sein." Vieles sei im Vorfeld zu klären gewesen: Für die Reflektoren braucht das Kinderrad eine Prüfnummer, für den Vertrieb in England müssen die Bremsen auf die andere Seite montiert werden, Aufbauanleitungen sind in viele Sprachen zu übersetzen.

Jetzt steht es jedenfalls im Laden, in dem seit 2012 auch Endkunden Fahrräder und -Teile direkt in Baunach einkaufen können. Der "Concept Store" war ein Traum und Projekt von Benno Messingschlager, der 2003 in dritter Generation die Geschäftsleitung übernahm. Mit Dennis Schömburg an seiner Seite bekam die Firma seitdem mehrere Auszeichnungen wie den Großen Preis des Mittelstandes und landete unter Bayerns Best 50.


Mehrfache Champions

Mit dem "Concept Store" schlagen sie mehrere Fliegen mit einer Klappe. "Hier bekommen wir von den Verbrauchen direkte Rückmeldungen zu unseren Produkten", freut sich Tobias Heimhalt. Außerdem wurde eine Werkstatt integriert, in der Reparaturen und Produkttests durchgeführt werden, können sich Rennradfahrer vermessen lassen, gibt es ein Café und entstand aus dem Bauschutt ein "Bike-Park". Dort drehen Besucher ebenso ihre Runden wie Amateure und Profis. So einige von ihnen werden von Messingschlager gesponsert, das eigene Rennteam hat schon Titel in Deutschland und Europa gewonnen. Und so einige von ihnen arbeiten sogar bei Messingschlager - der Radl-Virus lässt sie nicht los.

Am nächsten Freitag besuchen wir die Firma Medwork in Höchstadt.