Dass die Beiträge zur privaten Krankenversicherung jährlich steigen, ist nichts Neues. In ihren Briefen an die Versicherten sprechen die Unternehmen dann von "Beitragsanpassungen". Diese fallen aktuell allerdings außerordentlich hoch aus, was laut Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) auf einen "Sondereffekt" zurückzuführen ist.
"Erstmals müssen die Versicherer die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank bei der Berechnung der Beiträge berücksichtigen", erklärt ein Verbandssprecher. Außerdem stiegen die Kosten des medizinischen Fortschritts, weshalb die Veränderungen der Vorjahre in die Beiträge einkalkuliert werden müssten. Dann käme es zu einer aufholenden Anpassung der Beiträge an die tatsächliche Kostenentwicklung. "So wird die allgemeine Teuerung der Medizin den Versicherten nachträglich auf einen Schlag in Rechnung gestellt", heißt es von Verbandsseite.

Die gesetzlichen Vorschriften legten fest: Eine Beitragsanpassung dürfe nur erfolgen, wenn die Versicherungsleistungen in einem Tarif nachweislich um mindestens zehn Prozent höher liegen als ursprünglich kalkuliert. In manchen Tarifen gelte abweichend ein Schwellenwert von fünf Prozent.
Ob diese Bedingungen vorliegen, werde von einem unabhängigen Treuhänder kontrolliert. Die Kostensteigerungen in den PKV-Tarifen überschreiten laut Verband nicht in jedem Jahr diese vorgeschriebenen Schwellenwerte. Dann gebe es auch keine Beitragsanpassung.

Die Stiftung Warentest begleitet die Thematik unter Verbraucheraspekten naturgemäß kritischer. "Da Lebenserwartung und Gesundheitskosten in unserer Gesellschaft kontinuierlich steigen, muss man davon ausgehen, dass auch die Beiträge in der privaten Krankenversicherung in Zukunft weiter kontinuierlich steigen werden", sagt Cornelia Nowack, Projektleiterin bei Finanztest. "Müssen die Gesellschaften darüber hinaus ihre Rechnungszinsen absenken, wird sich das noch zusätzlich beitragserhöhend auswirken."


Rückstellungen gehen verloren

Wird die Beitragsbelastung im Laufe der Jahre für den Versicherten zu hoch, rät Finanztest ebenso wie die Verbraucherzentrale: Prüfen, ob sich der Beitrag durch einen Tarifwechsel beim eigenen Versicherungsunternehmen reduzieren lässt.
Eine Kündigung der Versicherung und der Wechsel zu einem anderen Unternehmen sei zwar möglich, aber eher nicht zu empfehlen. Der Versicherte verliert Finanztest zufolge seine bereits angesammelten Alterungsrückstellungen vollständig (bei Verträgen, die vor dem 1. Januar 2009) geschlossen wurden oder doch zum Teil (bei Verträgen, die ab dem 1. Januar 2009 geschlossen wurden). "Daher wird der Beitrag beim neuen Versicherer in der Regel noch höher liegen als beim alten", sagt Nowack.

Empfehlen würden Verbraucherschützer einen Wechsel nur in den Fällen, in denen der Vertrag erst wenige Jahre besteht und der Versicherte darüber hinaus noch gesund ist und bei der neuen Gesellschaft keine Risikozuschläge wegen Vorerkrankungen befürchten muss.
Eine Rückkehr in die gesetzliche Kasse sei grundsätzlich schwierig und ab dem 55. Lebensjahr so gut wie ausgeschlossen. Die Verbraucherschützer raten deshalb: "Angestellte und Selbstständige sollten sich nur privat versichern, wenn sie wohlhabend sind oder vom Abschluss des Vertrages an monatlich Geld für die höheren Beiträge im Alter zurücklegen können."

Arbeitnehmer dürfen sich privat versichern, wenn ihr Bruttoeinkommen 57 600 Euro im Jahr (Versicherungspflichtgrenze 2017) übertrifft. Der Beitrag richtet sich nach dem Umfang der vereinbarten Leistungen, dem Gesundheitszustand und Alter bei Vertragsbeginn.
Die private Krankenversicherung zahlt zum Beispiel in der Regel - anders als die gesetzliche - für Chefarztbehandlung im Krankenhaus oder hochwertigeren Zahnersatz. In anderen Bereichen, etwa Physiotherapie, können private Tarife schlechter sein als die gesetzlichen.


Tarifwechsel ist gesetzlich geregelt

Tarifwechsel Versicherte haben grundsätzlich das Recht auf einen Tarifwechsel nach § 204 Versicherungsvertragsgesetz. Dieses steht ihnen immer zu - auch unabhängig von einer Beitragserhöhung.

Musterbrief Verbraucherschützer empfehlen, den eigenen Tarif gelegentlich zu überprüfen. Unter www.verbraucherzentrale.de/pkv-beitragserhoehung gibt es einen Musterbrief, mit dem man bei der Versicherung verschiedene Varianten von Angeboten einfordern kann.

Basis oder Standard Die Beiträge in beiden Tarifen dürfen nicht höher liegen als der Höchstbeitrag der gesetzlichen Krankenversicherung. Sie bieten einen vollständigen Krankenversicherungsschutz auf dem Niveau der gesetzlichen Kassen. Für den Basistarif gelten zusätzlich weitere Beitragsbegrenzungen für Personen, die hilfebedürftig sind.

Test Die Stiftung Warentest stellt regelmäßig private Krankenversicherungen auf den Prüfstand und bietet (kostenpflichtige) Infodokumente sowie eine Versicherungsanalyse unter www.test.dean. In der nächsten Ausgabe von Finanztest (15. Februar) gibt es Tipps zum Tarifwechsel in der Privaten Krankenversicherung.