Scharfe Angriffe auf Brüssel und die EU-Bürokratie haben zweieinhalb Monate vor der Europawahl den politischen Aschermittwoch in Bayern bestimmt. "Dieser Drang, jeden Winkel Bayerns und Deutschlands zu reglementieren, erstickt die europäische Idee", klagte CSU-Parteichef Horst Seehofer in Passau. Auch bei der SPD wurde Kritik an der europäischen Über-Reglementierung laut. Angesichts der gemeinsamen Koalition in Berlin blieben dagegen die großen Attacken zwischen CSU und SPD diesmal erwartungsgemäß aus.

Seehofer, der sich in der Dreiländerhalle von rund 4000 Zuhörern für die jüngsten Wahlerfolge feiern ließ, mahnte eine demokratischere EU an. "Nicht die Größe der Olivenkännchen in unseren Gaststätten, nicht die Bananenkrümmung, nicht die Fahrtenbücher unserer Handwerker sind ein Thema Europas". Die EU müsse sich vielmehr auf Themen wie die Ukraine-Krise konzentrieren, die für ganz Europa von Bedeutung seien.

Gauweiler wirft EU-Kommission Inkompetenz vor

CSU-Vize Peter Gauweiler warf der EU-Kommission Inkompetenz vor. "Wir brauchen keine Einigung mit einer Flaschenmannschaft, die ganz Europa durcheinanderbringt", sagte er - und ergänzte in Anspielung auf das Märchen von des Kaisers neuen Kleidern: "Wenn die ganzen Kaziken in Brüssel zusammenkommen, da sind die nackten dummen Kaiser zusammen."

Zuspruch erntete der frühere Bundeslandwirtschaftsminister Hans-Peter Friedrich, der im Zuge der Edathy-Affäre sein Amt niedergelegt hatte. "Du hast unsere volle Solidarität, wir stehen an deiner Seite", sagte Seehofer. Ansonsten klammerte der CSU-Chef die Edathy-Affäre und die Zusammenarbeit mit dem Koalitionspartner SPD aber vollständig aus. Dafür rückte er die jüngsten CSU-Wahlerfolge in den Mittelpunkt. "Willkommen bei den Siegern!", rief er den CSU-Anhängern zu. "Bayern ist jetzt wieder der schwärzeste Erdteil Europas."

Die SPD konzentrierte sich in Vilshofen auf Angriffe gegen die CSU-Landespolitik. "Es gibt kein Windrad in Bayern, das sich so schnell drehen kann wie Horst Seehofer", sagte Landeschef Florian Pronold. EU-Parlamentspräsident Martin Schulz, Spitzenkandidat seiner Partei für die Europawahl, erteilte einer europäischen Überregulierung eine klare Absage. "Europa muss nicht jedes und alles machen", sagte er. "Wir brauchen keine Verordnung über Olivenölkännchen in Restaurants."

Linke fordert einheitliches Bildungssystem

Die Linke forderte ein einheitliches Bildungssystem. "16 verschiedene Bildungssysteme in 16 Bundesländern, das gehört ins 19. Jahrhundert, in die Zeit der Postkutschen", sagte der Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Gregor Gysi, in Passau. Hart ging der stellvertretende FDP-Vorsitzende Wolfgang Kubicki mit der Großen Koalition in Berlin ins Gericht. SPD-Chef Sigmar Gabriel sei ein "Fleisch gewordenes Nichts". Die Einführung von Mindestlohn und Rente mit 63 sei ein Anfang, wenn man das Land ruinieren wolle.

Die Grünen attackierten in Landshut die Energiepolitik von Seehofers CSU. "Nicht nur, dass er Energiewende nicht kann. Seehofer sabotiert die Energiewende in Bürgerhand auf allen Ebenen", kritisierte Landtagsfraktionschef Ludwig Hartmann. Der Vorsitzende der Freien Wähler, Hubert Aiwanger, nahm in Deggendorf die CSU-Bildungspolitik auf's Korn: "Die CSU sagt: Warum Lehrer? Warum Bildung? Doktortitel kann man sich doch kaufen!" Zugleich sprachen sich die Freien Wähler für eine europaweite Abschaffung der Autobahnmaut aus.

Die Alternative für Deutschland (AfD) schoss sich auf den CSU-Chef ein. "Crazy Horst" habe alle Euro-Rettungsschirme abgesegnet, obwohl er stets dagegen gewesen sei, sagte AfD-Chef Bernd Lucke. "Nichts ist an der CSU so charakteristisch wie ihre Charakterlosigkeit."