"Jedes Jahr werden an deutschen Universitäten Millionen sensibler Lebewesen für unwissenschaftliche Tierversuche missbraucht und getötet": So beginnt eine Pressemitteilung der Tierrechtsorganisation Peta, in der die Friedrich-Alexander-Universität (FAU) Erlangen-Nürnberg kritisiert wird. Peta hatte in einem Schreiben 126 Fakultäten lebenswissenschaftlicher Studiengänge um Informationen über ihre angewandten Lehrmethoden gebeten. Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg gab laut Peta an, im Fachbereich Biologie unter anderem Sektionen mit extra dafür getöteten Tieren durchzuführen. Peta appelliert an die Hochschule, "gänzlich auf Tiere im Studium zu verzichten und Studierenden eine Lehre ohne Tierleid anzubieten".

Auf Nachfrage bei der Universität relativieren sich die Vorwürfe. Sprecherin Susanne Langer findet zunächst den Umstand "bemerkenswert", dass die Umfrage von Peta im September 2014 durchgeführt wurde und erst jetzt eine Bewertung komme. Ihrer Kenntnis nach seien 126 Unis angeschrieben worden, von denen nur vier den Fragebogen ausgefüllt hätten. "Genau diese vier werden jetzt herausgegriffen, das finde ich methodisch fragwürdig." Die freiwilligen, ausführlichen Antworten der Uni Erlangen seien "unzulässig verknappt und nicht in der gebotenen Komplexität dargestellt worden", sagt Langer.

Komplexität bedeute in diesem Kontext: "Das Biologiestudium setzt einen gewissen Praxiskontakt voraus. Da ist es nicht verwunderlich, dass tote Tiere seziert werden. Das wird so sparsam wie irgend möglich eingesetzt und man macht sich Gedanken, wo die Tiere herkommen", sagt die Uni-Sprecherin.

"Leider hält die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg weiter daran fest, Tiere für Lehrzwecke zu missbrauchen", sagt Stephanie Kowalski, Tierärztin und Fachreferentin gegen Tierversuche bei Peta Deutschland. "Wir fordern die Verantwortlichen auf, den Tierschutz ernst zu nehmen und die Verwendung von Tieren in Forschung und Lehre gänzlich zu stoppen." Peta fordert außerdem mehr Transparenz hinsichtlich der an Universitäten angewandten Methoden, damit sich Studierende für ein Studium ohne Tierleid entscheiden können. "Angesichts der zahlreichen heute verfügbaren Möglichkeiten zur Etablierung einer fortschrittlichen und tierversuchsfreien Lehre muss in Zeiten von Computersimulationen, 3-D-Modellen und anderen Alternativmethoden kein Tier für Ausbildungszwecke leiden und sterben", lautet die Ansicht von Peta.

Die Angabe der Uni aus dem Fragebogen, dass für die Versuche im Fachbereich Biologie Sektionen mit extra dafür getöteten Tieren durchgeführt würden, ist Sprecherin Langer zufolge verkürzt zitiert worden. An der FAU gebe es eine Fachfrau für Tierschutzfragen, die sich um die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen und Genehmigungsverfahren kümmert. Diese seien sehr streng, weshalb es sich bei den Tieren für die Biologie um Rinderföten aus dem Schlachthaus handele, um tiefgefrorene Fische aus Aquakulturen, Futterratten aus dem Nürnberger Zoo, Beifang von Fischkuttern. "Das ist eine andere Kategorie, als dass Tiere dafür getötet werden", sagt Langer.