Die CSU-interne Debatte über die Zukunft des Gymnasiums geht auf die Zielgerade: Nach langem Hickhack wollen sich Staatsregierung und CSU-Landtagsfraktion nun bis Ostern über die Eckpunkte der geplanten Reform verständigen. Dazu gibt es in den kommenden Tagen Beratungen des eigens eingesetzten Kabinettsausschusses, dann zusammen mit den Bildungsexperten der Fraktion, dann fraktionsinterne Beratungen - bevor am 5. April endgültig die Entscheidung fallen dürfte: nämlich zurück zum Abitur nach neun Jahren (G9), mit einer "Überholspur" für schnellere Schüler. Eingebettet werden soll dies in ein größeres Bildungspaket.


Reform-Eckpunkte im Überblick

Wie das neue Gymnasium aussehen dürfte, ist einem fast 50-seitigen Schreiben des Kultusministeriums an die Fraktion zu entnehmen, in dem das Ministerium zuletzt eine Fülle von Fragen der Fraktion sehr umfassend beantwortet hat. Letzte CSU-interne Widerstände gegen das G9 schwinden zusehends. Die geplanten Reform-Eckpunkte im Überblick:

Zurück zum G9: So begründet das Ministerium die Notwendigkeit, zum G9 zurückzukehren: Die "Spielräume" zur Weiterentwicklung des G8 seien "in den entscheidenden Punkten erschöpft". "Dafür eröffnet die Einführung einer grundständig neunjährigen Lernzeit am bayerischen Gymnasium zusätzliche konzeptionelle Möglichkeiten, den gymnasialen Qualitätsanspruch im 21. Jahrhundert zu sichern", heißt es in dem Konzept. Man gehe aber nicht zurück zum "G9 alter Prägung", sondern wolle ein "zeitgemäßes, auf neun Jahre ausgerichtetes Gymnasium".

Fächer: Insgesamt soll die Zahl der Wochenstunden im Vergleich zum G8 um etwa 18 Stunden steigen - und nicht einfach die aktuelle Stundenzahl auf neun Jahre gedehnt werden. Unter anderem sollen die Kernfächer gestärkt werden. Kein Fach wird schlechtergestellt. Und: Informatik soll Pflichtfach in allen Ausbildungsrichtungen werden. Die Profilbildung, beispielsweise sprachliches oder naturwissenschaftlich Gymnasium, soll auch weiterhin zur 8. Klasse erfolgen.

Nachmittagsunterricht: Der Unterricht am Nachmittag wird deutlich reduziert: In der Unter- und Mittelstufe beispielsweise soll es kaum mehr Nachmittagsunterricht geben. Das ermögliche "eine Stärkung inner- und außerschulischen Engagements", heißt es in dem Konzept.

Fremdsprachen: Es bleibt bei der Mindestvorgabe von zwei Pflicht-Fremdsprachen. Und es soll auch dabei bleiben, dass die erste Fremdsprache in der 5. und die zweite in der 6. Klasse startet.

Neue 11. Klasse: Der 11. Klasse soll eine besondere Bedeutung zukommen: Hier soll stärker als bisher vorwissenschaftliches Arbeiten geübt werden, hier soll zum Beispiel das Pflichtfach Informatik angesiedelt werden. Das Projekt-Seminar zur Studien- und Berufsorientierung könnte ein Stück weit in die neue 11. Klasse vorgezogen werden. Auch Auslandsaufenthalte bieten sich dann besonders an. Und: Die 11. Klasse soll künftig "ausgelassen" werden können.

Überspringen: Schüler, die das Abitur auch weiterhin nach acht Jahren ablegen wollen, sollen eine Klasse auslassen dürfen. Vorschriften, welche Jahrgangsstufe dies sein soll, will das Ministerium nicht machen. Es bietet sich aber die 11. Klasse an. Die betreffenden Schüler sollen zwei Jahre lang auf das "Überspringen" vorbereitet werden, und zwar mit Zusatzkursen am Nachmittag.

Oberstufe: Das Konzept der Oberstufe bleibt, und es bleibt auch beim Fünf-Fächer-Abitur. Es sollen aber "Möglichkeiten zur vertieften Profilbildung" geprüft werden, heißt es im Konzept des Ministeriums.

Start der Reform: Es bleibt dabei: Das G9 soll zum Schuljahr 2018/19 eingeführt werden - und zwar für die Jahrgangsstufen fünf und sechs.

Mittelstufe Plus: Derzeit erproben 47 Pilot-Gymnasien in Bayern das Modell der "Mittelstufe plus". Dort haben Schüler schon jetzt die Möglichkeit, das Abitur erst nach neun Jahren abzulegen. Damit es dort keine "Lücke" zwischen den beiden neunjährigen Varianten (Mittelstufe plus und neues G9) gibt, sollen die 47 Schulen drei Jahre länger als geplant die jetzige Wahlmöglichkeit bieten können.