Kettenbriefe können unglaublich nervig sein. Neuerdings entwickeln sich selbige auch auf Whatsapp zur Plage. Fast täglich erhalten Nutzer dieses Nachrichtendienstes solche Botschaften. Oft werden Kinder und Jugendliche auf besonders perfide Art und Weise in Angst und Schrecken versetzt - so wie aktuell in Oberhausen. "Hi ich bin Nico und bin neun Jahre alt und habe keine Hände mehr und mein Gesicht ist voller Narben und Blut", spricht eine weibliche Computerstimme. Wie die Polizei Oberhausen (Nordrhein-Westfalen) mitteilt, haben vor allem Grundschüler diese Sprachnachricht erhalten, die den Kindern mit Mord droht, sollte die Audiodatei nicht umgehend an weitere fünf Freunde weitergeleitet werden.

Bekannt wurde die vorrangig an Grundschulen kursierende Drohung, nachdem sich gleich mehrere besorgte Eltern bei den Beamten gemeldet hatten. Die Polizei versucht derzeit zu klären, woher die Sprachnachricht stammt, wie viele Kinder betroffen sind und ob sich das Phänomen nur auf Oberhausen beschränkt, hieß es.


Schwierig, die Absender zu ermitteln

Gleichzeitig räumten Beamte aber ein, dass es schwierig sei, die Absender solcher Nachrichten zu ermitteln, gerade wenn diese von ausländischen Providern versendet würden, heißt es dazu in der Tageszeitung "Rheinische Post".

Neu ist die nun in Oberhausen aufgetauchte Sprachnachricht indes nicht. Bereits 2013 warnte das Landeskriminalamt Niedersachsen vor einer ähnlichen Droh-Nachricht im Sprachformat. Während Erwachsene solche Botschaften zumeist sofort als Spaß erkennen würden, könnten Kinder sie nicht immer als Scherz und unbedeutenden Kettenbrief entlarven, hieß es damals in der Pressemitteilung.


Aufruf an Frankens Schulen

Auch in Franken sorgte im November vergangenen Jahres ein mysteriöser Aufruf für Aufregung an den Schulen: Über Whatsapp kursierte eine Meldung, in der es unter anderem um den Terroranschlag in Paris ging. Anscheinend nutzten damals die Verfasser dieses Attentat, um Propaganda gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihre Asylpolitik zu machen.

Eltern in der Region zeigten sich überrascht über diese Meldung. So schrieb eine Mutter aus dem Landkreis Kulmbach, dass ihr Sohn auch diesen Kettenbrief erhalten habe. Am Bamberger Franz-Ludwig-Gymnasium (FLG) machte dieser Aufruf ebenfalls die Runde. Studiendirektor Jürgen Schlauch erklärte gegenüber dieser Zeitung: "Wir haben dem vorgebeugt und die Schüler darüber informiert. Wir haben deutlich gemacht, dass mit so einem Aufruf keinerlei Solidarität mit den Opfern des Anschlags gezeigt wird, sondern sich das Ganze gegen die Kanzlerin richtet. Es ist wichtig, mit den Schülern darüber zu sprechen."

Wer dieses Anschreiben verschickt hat, steht bis heute nicht fest. Fragwürdig war auf jeden Fall die Art und Weise, wie versucht wurde, die Flüchtlings-Politik der Kanzlerin mit den schrecklichen Ereignissen in Paris zu verknüpfen. Sogar in Hannover meldete eine Mutter den Umlauf dieser Nachricht.


Kinder haben Angst

Kinder fühlen sich durch derartige Botschaften tatsächlich bedroht und seien verängstigt, heißt es von Seiten der Polizeibehörden. Letztendlich sind die Nachrichten aber "substanzlos". Trotzdem könne sie Kinder traumatisieren: Manche könnten Schlafstörungen entwickeln. Es gab auch Kinder, die sich die Ohren zugehalten hätten und aus der Klasse gerannt seien, wenn sie so etwas im Unterricht mitbekommen haben.

Beamte raten Eltern betroffener Schüler, das Phänomen und dessen Hintergründe mit den Kindern im Gespräch zu klären. Zudem sollten entsprechende Whatsapp-Nachrichten umgehend gelöscht werden, um eine weitere Verbreitung zu unterbinden. mit dpa