Derr Anblick ist jedes Mal überwältigend. Tritt man aus der U-Bahn-Station Westminster auf die Straße, steht er da: Big Ben, der Turm, der die namensgebende Glocke mit dem berühmten Klang beherbergt. Er dominiert diesen Platz, der zusammen mit dem Parlamentsgebäude ein Symbol für Demokratie ist. Wenn es einen Platz gibt, an dem Geschichte spürbar ist, ein Platz, mit dem sich ein Land identifiziert, dann ist es dieser.

Londons Sicherheitskräfte haben sich auf einen Tag wie diesen vorbereitet, sie haben damit gerechnet, dass ein solcher Anschlag - von wem auch immer geplant und ausgeführt - kommen würde. Der Bereich um das Parlamentsgebäude, die Brücke über die Themse gehören daher mit zu den am besten gesicherten Orten in der Stadt.

Polizisten stehen hinter Absperrungen und bewachen die Eingänge, nicht ohne hin und wieder in der üblichen freundlich-höflichen britischen Art mit Touristen zu plaudern. Diese, aber auch Einheimische, bevölkern die Straßen, die meist von dichtem Verkehr mehr oder weniger verstopft sind. Der Angreifer, der mit einem Auto in die Menschen fuhr, die nur die Gegend genießen wollten, wusste genau, dass die Gehsteige auf der Westminster Brücke, auf der man hinüber laufen kann zum Riesenrad London Eye, am Nachmittag voll sein würden. Es war ihm sicher auch klar, dass er weder mit seinem Auto durch den großen, dunklen Zaun brechen, noch zu Fuß unbehelligt ins Innere gelangen würde. Was auch immer seine Motive gewesen sein mögen: Menschen in Panik zu versetzen, war eines davon.

Doch trotz aller Angst, trotz allen Schreckens, der in den Gesichtern der Menschen zu lesen war: Chaos brach nicht aus. Zwar wurden Straßen und Brücken gesperrt, U-Bahn-Stationen geschlossen, und die BBC berichtete in einer ausführlichen, wunderbar unaufgeregten Fernseh-Sondersendung über die Ereignisse. Zwar wehten die Flaggen am Tag danach über den Houses of Parliament auf halbmast.
Aber: Trotz aller Trauer um die Toten und Verletzten tagten die Abgeordneten, und die Londoner gingen ihren Geschäften nach. Sie setzten und setzen Angriffen wie diesen ein "Ruhe bewahren und weitermachen" entgegen. Das mag typisch britisch sein, ist aber eine Reaktion, mit der Großbritannien in der Geschichte weit Schlimmeres überstanden hat. Wir sollten alle etwas mehr britischer reagieren.