Die Terroristen auf der London Bridge wollten ihren Anschlag ursprünglich mit einem großen Lastwagen ausführen und so noch mehr Menschen töten. Bei der Online-Anmietung des 7,5-Tonners seien die Attentäter aber an der Zahlungsabwicklung gescheitert, berichtete Scotland Yard am Wochenende. Daher hätten sie per Handy einen kleineren Transporter für ihre Attacke gemietet.

Bei ihrem Anschlag am 3. Juni töteten die drei Angreifer insgesamt acht Menschen. Dutzende hatten Verletzungen erlitten. Die acht Todesopfer stammen aus fünf Ländern: Drei Männer kamen aus Frankreich, zwei Frauen aus Australien, eine Frau stammt aus Kanada, ein Mann aus Spanien und eines der Opfer aus Großbritannien.
Die Polizei veröffentlichte am Wochenende den bisher detailliertesten Bericht zum Tatablauf. Demnach fuhren die drei Attentäter mehrmals auf der Brücke hin und her, bis sie schließlich gezielt mit hohem Tempo in Passanten rasten. Drei Menschen kamen dabei ums Leben.

Anschließend rannten die Täter zum nahegelegenen Borough Market und erstachen dort fünf Menschen. Dafür nutzten sie 30 Zentimeter lange, pinkfarbene Keramikmesser. Polizisten erschossen nur wenige Minuten später die Attentäter: den 30-jährigen Rachid Redouane, den 27-jährigen Khuram Shazad Butt und Joussef Zaghba (22).

Die Polizei bat die Bevölkerung um Hinweise zu den ungewöhnlichen Messern. Sie veröffentlichte Fotos von den Tatwaffen und den Sprengstoff-Attrappen, die die Täter am Körper trugen. Die Attrappen bestanden aus Wasserflaschen, die mit Plastikband umklebt waren.

"Diese Taktik, dass Terroristen eine maximale Angst mit solchen Attrappen am Körper erzeugen, habe ich zuvor noch nicht in Großbritannien gesehen", sagte der Chef der Anti-Terror-Abteilung von Scotland Yard, Dean Haydon. Jeder habe sie für echt gehalten.

Im Laderaum des Lieferwagens wurden den Ermittlern zufolge zwei Lötlampen und 13 Flaschen gefunden, bei denen es sich um Molotow-Cocktails handeln soll. Außerdem lagen Bürostühle im Transporter. Dies sollte den Familien der Täter vorgaukeln, dass das Fahrzeug für einen Umzug genutzt wurde, vermutet die Polizei.
Einer der ersten Polizisten am Tatort sprach von einer "Hölle". Im Keller einer Bar hätten sich etwa 200 verängstigte Menschen zusammengekauert, während draußen Schüsse und Schreie zu hören waren.

Inzwischen hat sich das Leben an der Tower Bridge wieder normalisiert. Viele Londoner legten Blumen am Tatort nieder. Am Sonntag öffnete die nahegelegene Southwark-Kirche erstmals wieder.

Zu dem Anschlag wurden nach Angaben von Scotland Yard bislang 262 Menschen aus 19 Ländern vernommen. Es gab 20 Festnahmen, zwölf Verdächtige wurden inzwischen aber wieder freigelassen.

Zwölf Gebäude in den Stadtteilen Barking und Ilford seien bislang durchsucht worden, hieß es weiter. An einer der Adressen habe Redouane im April eine Wohnung angemietet, die von den Tätern offensichtlich als Unterschlupf genutzt worden sei. In der Wohnung fanden die Ermittler nach eigenen Angaben einen aufgeschlagenen Koran - auf der offenen Seite ging es demnach um den "Märtyrertod".